Nistkästen für Vögel – alles was du wissen musst

Du möchtest einen oder vielleicht sogar mehrere Nistkästen in deinem Garten anbringen? Dann bist du hier genau richtig! In diesem Artikel erklären wir dir, warum, wann und wie du einen Nistkasten in deinem Garten bereitstellen solltest.

Das Bereitstellen von Nistkästen für Vögel im Garten ist eine großartige Möglichkeit, verschiedene Vogelarten anzulocken. Haben die Vögel den Nistkasten erst einmal angenommen, wirst du schon bald beobachten können, wie sie ihre Küken aufziehen und diese schließlich zum allerersten Mal Flugversuche unternehmen.

Warum solltest du Nistkästen für Vögel in deinem Garten aufhängen?

Fangen wir von vorne an: Warum sollte man überhaupt einen Nistkasten für heimische Vögel bereitstellen? Schließlich sind doch viele Arten selbst in der Lage ihre Nester in Baumkronen, Vogelhecken oder alten Baumhöhlen zu bauen. Einige Vögel, wie z. B. Spechte, können ihre eigenen Nisthöhlen in toten Bäumen graben. Andere Vogelarten nutzen verlassene Nistlöcher oder natürliche Hohlräume in Felsen, Wänden oder Bäumen.  

Specht an Baumhöhle
Specht an Baumhöhle

Fakt ist jedoch: Immer mehr beschädigte oder tote Bäume werden in Deutschland abgeholzt. Dies führt dazu, dass der natürliche Lebensraum und damit geeignete Nistmöglichkeiten für Vogelarten, die in Höhlen nisten, verschwinden. So kommt es immer häufiger vor, dass Vögel wie bspw. der Haussperling oder der Star um die Nutzung verbleibender Hohlräume konkurrieren müssen.

Vor allem in städtischen Gebieten finden Vögel immer weniger natürliche Hohlräume oder Höhlen zum Nisten. Denn wilde Hecken und dichtes Gebüsch findet man in modernen Gärten nur noch sehr selten. Dabei benötigt unsere heimische Vogelwelt naturnahe Gärten mit einer Vielzahl von geeigneten Sträuchern, Hecken, Stauden, Blumen und Bäumen. Das Anbringen von Nistkästen ist also eine gute Möglichkeit die heimische Vogelwelt zu unterstützen und bietet dir zugleich die Möglichkeit, Vögel im eigenen Garten zu beobachten.

Gartenvögel, die am wahrscheinlichsten deinen Nistkasten annehmen werden, sind Blaumeisen und Kohlmeisen. Aber auch andere Arten wie Haussperlinge, Baumsperlinge, Zaunkönige, Stare, Amseln, Singdrosseln
Kleiber oder Rotkehlchen werden deinen Nistkasten sehr gerne bewohnen.

Blaumeise am Nistkasten
Blaumeise am Nistkasten

Arten von Nistkästen

Nistkästen gibt es grundsätzlich in zwei Ausführungen – mit einem Einflugloch oder mit einer halboffenen Front. Für Vogelarten, die einen Nistkasten mit Loch bevorzugen, ist die Größe des Lochs das Wichtigste Kriterium bei der Wahl des Nistkastens. Denn dieses schützt die jeweilige Vogelart vor größeren Vögeln, Nesträubern und anderen Feinden.

Im Handel sind daher verschiedene Arten von Nistästen erhältlich. Jeder Kasten richtet sich an eine bestimmte Vogelart. Diese Tabelle zeigt dir, welche Vögel, welche Art von Nistkasten und Lochgröße bevorzugen. Außerdem erhältst du einige Empfehlungen* für geeignete Nistkästen.

Tabelle Nistkasten Einflugloch

Kohlmeisen, Kleiber, Trauerschnäpper und Sperlinge

32 mm

Rotkehlchen

Halboffener Nistkasten

Halboffener Nistkasten

Star, Buntspecht

45 mm

Verschiedene Arten von Singvögeln bevorzugen unterschiedliche Größen des Nistkastenlochs. Die Blaumeise benötigt gerade einmal ein Loch mit 25-mm Durchmesser, Stare hingegen benötigen 45 mm.

Nistkästen mit einem Loch werden von Blaumeisen, Kohlmeisen, Kleiber und Baumsperlingen bevorzugt. Haussperlinge verwenden auch Nistkästen, wobei das Loch einer Lücke im Mauerwerk eines alten Gebäudes ähneln sollte. Stare nisten in Löchern in Bäumen, sodass auch diese Vogelart gerne einen Nistkasten annimmt.

Küken im Nistkasten
Küken im Nistkasten

Nistkästen mit offener Front werden hingegen gerne von Vogelarten angenommen, die bevorzugt in dichtem Unterholz nisten wie beispielsweise Rotkehlchen, Amseln und Singdrosseln.

Hier haben wir euch eine Checkliste für den Kauf oder den Bau eines Nistkastens zusammengestellt:

  • Der Nistkasten sollte aus natürlichem unbehandeltem Holz hergestellt sein (Kiefer, Zeder oder Tanne)
  • Die Wände sollten mindestens einen Zentimeter dick sein, um eine Isolierung zu gewährleisten
  • Das Eingangsloch sollte eine geeignete Größe für den gewünschten Vogel haben
  • Das Dach sollte verlängert und geneigt sein, um den Regen abzuhalten
  • Achte darauf, dass der Kasten einen versenkten Boden und Drainagelöcher hat, um den Innenraum trocken zu halten
  • Raue oder gerillte Innenwände erleichtern den Austritt von Jungvögeln
  • Der Nistkasten sollte Belüftungsöffnungen haben, damit der Innenraum kühl bleibt
  • Eine seitliche oder obere Abdeckung, die geöffnet werden kann, um einen einfachen Zugriff für die Überwachung und Reinigung zu ermöglichen

Vor der Anschaffung eines Nistkastens solltest du dir also Gedanken machen, welche Vogelart du damit anlocken möchtest. Dementsprechend achte beim Kauf auf die Größe des Einfluglochs sowie beim Anbringen auf die Höhe sowie den Ort. Dieser sollte den natürlichen Lebensraum des Vogels so gut es geht entsprechen.

Stelle also sicher, dass du in ein funktionales und kein dekoratives Vogelhaus investierst. 

Wo sollte man den Nistkasten platzieren?

Wie bereits geschildert solltest du versuchen, den natürlichen Lebensraum der Vögel so gut es geht nachzustellen. Darüber hinaus gilt es, einen Ort zu wählen, der keiner ständigen und direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Nistkasten zu heiß wird und die jungen Vögel im Inneren sterben.

Bringe deinen Nistkasten also niemals in eine nach Süden ausgerichtete Position an! Auch solltest du den Nistkasten nicht nach Westen ausrichten, denn so ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass er Wind und Regen ungeschützt ausgesetzt ist.

Die ideale Ausrichtung eines Nistkastens ist nach Osten oder Südosten.

Du kannst den Nistkasten am besten an einem Baum, einer Wand oder einen Zaun anbringen. Achte nur immer darauf, dass sich um oder in der Nähe des Kastens genügend Möglichkeiten zur Deckung befinden.

Entscheidest du dich für einen Nistkasten mit offener Front gilt es zu beachten, dass dieser immer gut versteckt in der Vegetation angebracht werden muss. Geeignete Orte sind beispielsweise eine Hauswand mit Kletterpflanzen. So ist der Nistkasten für Nesträuber nicht so leicht zu entdecken. Als letztes solltest du darauf achten, dass der Nistkasten mindestens 1,5 Meter über dem Boden angebracht wird. 

Nistkasten und Kletterpflanzen
Nistkasten und Kletterpflanzen

Denke immer daran: Die Wahl des Platzes für den Nistkäste im Garten, ist sowohl für die Wahrscheinlichkeit, dass der Kasten von Vögeln benutzt wird, als auch für die Gesundheit und das Wohlergehen der Vögel, die sich einmal darin befinden, von großer Bedeutung.

Wer einen großen Garten hat, kann auch mehrere Nistkästen aufhängen. Hierbei solltest du beachten, dass du die Nistkästen nicht zu eng nebeneinander anbringst. Möchtest du mehrere Nistkästen für die gleiche Vogelart anbringen solltest du mindestens 10 Meter Abstand zwischen den einzelnen Kästen einplanen, denn gleichartige Vögel betrachten sich oftmals als Konkurrenten.

Möchtest du hingegen mehrere Nistkästen für verschiedene Vogelarten anbringen reichen auch 3 Meter Abstand.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um einen Vogelnistkasten aufzustellen?

Für die Anbringung eines Nistkastens ist jede Jahreszeit in Ordnung, aber Herbst oder früher Winter sind am besten geeignet. Nistkästen sind zwar vor allem als Bruthilfe für Vögel im Frühjahr gedacht, allerdings können sie auch im Winter wichtige Aufgaben erfüllen. Denn in den kalten Wintermonaten suchen viele Tiere, sowohl Vögel wie Meisen oder Kleiber, als auch Eichhörnchen oder Schmetterlinge nach einem warmen Plätzchen zum Schlafen. Spatzen bauen deshalb regelrechte Winternester, in die sie sich bei Frost einkuscheln. Zaunkönigen halten sich im Winter gegenseitig in Nistkästen warm. Mit einem Nistkasten kannst du deine Gartenvögeln über die kalten Wintermonate helfen und so etwas zum Vogelschutz beitragen. Hier erfährst du, welche Vögel in Deutschland überwintern.

Nistkasen im Winter
Nistkasen im Winter

Aber auch noch nach Januar – spätestens bis Ende März, kannst du einen Nistkasten im Garten anbringen. Denn einige Arten – insbesondere Blaumeise und Kohlmeise – verbringen einen Monat oder länger damit, einen geeigneten Nistplatz zu untersuchen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Dieser Prozess beginnt häufig im Januar dauert aber dann bis in den Februar oder sogar März hinein an. Die besten Chancen hast du aber natürlich immer dann, wenn du deinen Nistkasten rechtzeitig vor Beginn der Brutzeit zur Verfügung stellst.

Mach dir aber keine Sorgen, falls dein Nistkasten nicht sofort bezogen wird. Manchmal dauert es mehr als eine Saison, bis sie zum ersten Mal verwendet werden. Hast du dieses Jahr kein Glück, wird mit Sicherheit in der nächsten Saison ein Brutpaar einziehen! Und falls nicht, kannst du auch den Standort deines Nistkastens noch einmal überdenken und ihn ggf. an einer anderen Stelle im Garten anbringen.

Damit die Vögel deinen Nistkasten besser finden, kannst du in der Nähe außerdem Vogelfutter bereitstellen. Dies lockt in der Regel viele Vögel an, die dann auch schnell auf deinen Nistkasten aufmerksam werden.  

Darum solltest du Nistkästen reinigen

Sobald ein Nistkasten verwendet wurde, ist es wichtig, dass das alte Nest entfernt wird. Denn lässt du das Nistmaterial im Kasten, wird er von den Vögeln nicht mehr verwendet. Die beste Jahreszeit, um Nistkästen zu reinigen, ist frühestens im Februar oder März. Das alte Nest wird dabei weggeworfen und alle anderen Materialien werden ausgebürstet. Wenn du das Nest rechtzeitig entfernst, kannst du zwei bis drei Bruten pro Saison genießen!

Durch das Reinigen der Box werden außerdem kleine Parasiten entfernt, die sich häufig auch im Kasten niederlassen. Verwende zum Reinigen des Kastens nur eine kleine, steife Bürste. Wasser solltest du nicht oder nur ganz sparsam verwenden, denn das Innere des Nistkastens sollte so trocken wie möglich gehalten werden.  

Ein Nistkasten für die Vogelbeobachtung

Sobald ein Brutpaar deinen Nistkasten angenommen hat, und die Brutzeit beginnt, fängt auch für dich die spannende Zeit an und du solltest deinen Nistkasten beobachten. Du kannst zuschauen, wie die Vögel durch das kleine Loch ein- und ausfliegen und ihr Nest bauen. Wenn die Vögel schließlich ihre Eier gelegt haben, kannst du auch den Fortschritt des Nestes überwachen. Tippe zunächst leicht auf den Nistkasten, bevor du die Platte öffnest damit der erwachsene Vogel hinausfliegen kann. Um nicht zu stören, beschränke deinen Blick in den Kasten auf einmal pro Woche und auf weniger als eine Minute.  

Küken im Nistkasten
Küken im Nistkasten

Sobald die Jungen geschlüpft sind kannst du die Eltern außerdem dabei beobachten, wie sie ihren Nachwuchs mit Futter versorgen. Wenn die kleinen Küken schließlich flügge werden, kannst du dabei zuschauen, wie sie ihre ersten Flugversuche unternehmen.

Eine weitere Möglichkeit, deine Vögel im Nistkasten zu beobachten , ist die Anbringung einer Nistkastenkamera. So kannst du live mitverfolgen, wie die Jungen aus den Eiern schlüpfen oder wie die Eltern sie mit Nahrung füttern.

Du siehst also, neben der Bereitstellung von Vogelfutter ist das Anbringen eines Nistkastens eine sehr gute Möglichkeit, deinen Gartenvögeln zu helfen und mehr Vögel in den eigenen Garten zu locken.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

Gartenvögel identifizieren – Eine Schritt für Schritt Anleitung

Woher wissen Vögel, dass es Futter gibt?

Woher wissen Vögel wo Regenwürmer sind?

Warum singen Vögel morgens?

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

error: Das Kopieren von Inhalten dieser Seite ist nicht erlaubt.