Nesträuber: Welche Tiere fressen Vogelbabys und was kannst du tun?

Ab März beginnt die Brutzeit für viele heimische Vögel in unseren Gärten. Doch die Nester und die darin liegenden Eier sind verschiedenen Gefahren ausgesetzt. So können verspätet einsetzende Kältephasen, Schnee oder Regen, Hagel oder Wind, der das Nest vom Baum weht, natürliche Gefahrenquellen sein, denen wir leider nicht entgegenwirken können.

Aber auch wir Menschen stellen mit unserem Verhalten eine Gefahr für den Vogel-Nachwuchs dar. Daher ist es verboten in dieser Zeit Hecken zu schneiden oder Bäume zu fällen. Hier können wir also aktiv werden und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um den Vogelnachwuchs zu schützen.

Es gibt jedoch auch einige Tierarten in deinem Garten, die zu den sogenannten Nesträubern zählen, und eine Vorliebe für Vogeleier und Küken haben.

Es gibt einige Tiere, die zu den sogenannten Nesträubern zählen und die du in deinem Garten finden kannst. Hierzu gehören Katzen, Marder, Greif- und Rabenvögel oder Eichhörnchen. All diese Tiere fressen kleine Vogelbabys oder Vogeleier. Manche Tiere bevorzugen dabei Vogeleier, die sie ausschlürfen können, andere fressen lieber die schon geschlüpften Küken.

Nesträuber in deinem Garten

Wenn man an Nesträuber denkt, kommt einem wohl als erstes die Katze in den Sinn. Aber Katzen sind nicht die einzigen Tiere, die es auf die Brut von Vögeln abgesehen haben. Hier möchte ich auf die verschiedenen Nesträuber eingehen und dir zeigen, was du tun kannst, um die Vogelnester und damit den Vogelnachwuchs in deinem Garten zu schützen.

Vogelnest
Vogelnest

Mit dem Bereitstellen von geeigneten Nistkästen kannst du deine Gartenvögel vor Nesträubern schützen!

Nistkasten 1
Nistkasten 2
Nistkasten 3

Nesträuber: Die Katze

Katzen sind nicht nur eines der beliebtesten Haustiere in Deutschland, sie sind auch perfekte Raubtiere. Am liebsten fangen Katzen Mäuse und ganz besonders im Frühling erwacht der Appetit auf junge Vögel im Nest. Jeder der eine Freigänger-Katze hat, wird bestimmt schon einmal das Vergnügen gehabt haben, eine tote Maus oder einen toten Vogel im Haus vorzufinden. Denn Katzen präsentieren ihrem Herrchen gerne voller Stolz die erlegte Beute.  

Hauskatzen töten viele junge Vögel, denn ihr Jagdtrieb ist sehr ausgeprägt. Vor allem die Jungtiere von Vogelarten, die in Hecken oder auf dem Boden brüten, können leicht von Katzen erbeutet werden. Katzen sind aber auch gute Kletterer und können ebenso Nester in Bäumen erreichen und die Küken töten. Sogar Nistkästen sind oft nicht vor Angriffen durch Hauskatzen sicher. Allerdings gehen Katzen nicht an Vogeleier, es ist nicht ihre Art Eier zu zerstören. Sie treibt vielmehr der Jagdtrieb dazu an, die sich im Nest bewegenden und piepsenden Vögel zu töten.

Katze spielt mit Vogel
Katze spielt mit Vogel

Nesträuber: Der Marder

Viele werden den Marder wohl häufig mit durchgetrennten Autokabeln in Verbindung bringen. Der Mader ist ein Allesfresser und liebt vor allem Fleisch. Daher ist er auch ein aktiver Jäger und schnappt sich so manch einen Vogel zum Abendessen. Einige Marderarten können auch sehr gut klettern und verfolgen ihre Beute daher auch bis in Bäume. Wieder andere verfolgen ihre Beute bis in deren Erdbauten. Vogelnester in Bäumen sind daher ebenso wenig vor Mardern sicher, wie Vogelnester in Erdhöhlen oder auf dem Boden.

Marder gehören zu den nachtaktiven Tieren und jagen hauptsächlich nachts, während sie tagsüber in ihrem Bau schlafen. Dabei erbeuten sie meist mehr, als sie tatsächlich fressen können. Nicht der Hunger, sondern der ausgeprägte und nicht zu stoppende Jagdinstinkt ist hier die Gefahr für viele Vögel in unserem Garten. Marder gehen sogar so weit, dass sie Überreste in ihre Verstecke bringen und dort für später aufheben. Der Marder erlegt seine Beute meist durch einen geschickten Biss in das Genick, den Kopf, die Kehle oder die Brust.

Aber auch das Wiesel zählt zu den Nesträubern und frisst gerne Vogeleier und Babys.

Marder klettert am Baum

Nesträuber: Greif- und Rabenvögel

Auch Rabenvögel und Greifvögel wie der Habicht oder die Eule zählen zu den Nesträubern und gönnen sich das ein oder andere Vogelei oder Jungtier aus dem Nest kleinerer Gartenvögel. Die meisten Rabenvögel sind Allesfresser und bei der Wahl ihrer Speisen keinesfalls wählerisch. Sie schnappen sich eben alles, was sie bekommen können und fressen auch Aas, ein Beispiel hierfür ist die Rabenkrähe. Auch die Elster kann sich im Sommer von Eiern und Jungvögeln ernähren, indem sie deren Nester plündert. Auch Kohlraben und Krähen haben eine Vorliebe für junge Vogelbabys.

Rabe

Nesträuber: Das Eichhörnchen

Das süße kleine Eichhörnchen kann unter Umständen zum Nesträuber mutieren. Wer hätte das gedacht? Aber so schlimm ist es nicht, das Lieblingsfutter des Eichhörnchens ist und bleibt die Nuss. In der Regel kommen Eichhörnchen gut ohne tierisches Eiweiß aus. Ihren sehr geringen Bedarf decken sie mit Insekten, Raupen oder anderen kleinen Tieren, die unter der Baumrinde sitzen.

Eichhörnchen werden nur zum Nesträuber, wenn das Nahrungsangebot sehr knapp ist und sie dem Hungertod entkommen müssen. Dann entscheidet sich auch ein Eichhörnchen für eine Nestplünderung und holt kleine Jungvögel aus dem Nest. Wenn ein Eichhörnchen dazu noch trächtig ist, und sowieso schon einen erhöhten Eiweißbedarf decken muss, kommt es vor, dass sie Vogeleier oder junge Vogelbabys fressen. Außerdem wurde beobachtet, dass Eichhörnchen gelegentlich sogar an kleinem Aas wie Mäusen oder toten Vogel-Babys knabbern.

Eichhörnchen
Eichhörnchen

Die sehr geringen Fressmengen an Jungvögel oder Eiern, die das Eichhörnchen zu sich nimmt, stellen jedoch in keinem Fall eine Gefahr für die Vogelpopulation dar. Vögel und Eichhörnchen kommen im Garten in der Regel sehr gut miteinander aus sind sogar zusammen am Futterplatz zu sehen.

Vögel vor Nesträubern schützen

Nachdem wir uns nun einige der bekanntesten Nesträuber angeschaut haben, möchte ich dir nun ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie du Vogel-Babys in deinem Garten am besten schützen kannst.

Nester in Sträuchern und auf Bäumen schützen

Haben Vögel in den Bäumen oder Sträuchern in deinem Garten Nester gebaut, gilt es nun diese vor Nesträubern zu schützen. Hier kommen meine 6 Tipps:

  • Baumstamm mit Schnittholz umzäunen: Hat ein Vogel oben im Baum genistet, kannst du Katzen und Marder mit einem „Zaun“ aus Schnittholz abhalten auf den Baum zu gelangen. Am besten nutzt du hierfür Schnittholz von dornigen Sträuchern. Dieses bindest du um den Baumstamm herum. Eine gute Höhe ist ca. 2 Meter.
  • Marder- Katzenabwehrgürtel: Auch ein sogenannter Marder- Katzenabwehrgürtel hält Mader und Katzen davon ab, auf dem Baum zu gelangen. Diesen „Gürtel“ kannst du ganz einfach online oder im Fachgeschäft kaufen. Du solltest ihn min. 1 Meter hoch anbringen. Hier findest du einen geeigneten Abwehrgürtel
  • Rankgerüste: Lasse deine Büsche und Sträucher wachsen. Heimischen Sträucher sowie dornige Hecken oder Hochstaudenbeete bieten vielfältige Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten. Ein Rankgerüst kann dir hierbei helfen, die Pflanzen in die Höhe wachsen zu lassen, sodass sie Vögeln bessere Möglichkeiten für Nistplätze bieten. Zum Beispiel dieses hier.
  • Engmaschiges Rankgitter: Hast du einen Strauch oder einen Baum in deinem Garten, welchen Vögel für den Bau ihrer Nester lieben? Dann Zäune ihn im Frühjahr doch einfach mit einem engmaschigen Rankgitter ein, sodass Mader und Katzen keine Chance haben hindurch zu gelangen. Zum Beispiel dieses hier.
  • Refkletierende Objekte: Hänge CDs, Streifen von Alufolie, glitzernde Luftballons oder ähnliche Materialien, an Baumästen auf. Diese flattern im Wind und reflektieren einfallendes Sonnenlicht. Das hält vor allem Raubvögel davon ab, Nester zu plündern.
  • Vermeide Abfälle im Garten. Abfälle wie Müll oder Kompost locken zahlreiche Krähen in deinen Garten. Halte deinen Garten also immer schön sauber, so kannst du deinen Garten für diese Vögel unattraktiv machen

Ein Mix aus diesen Maßnahmen kann dir helfen den Vogelnachwuchs in deinem Garten zu schützen.

Nistkästen und Wassertränken richtig platzieren

Um Vögel einen sicheren Ort zum Brüten bereitzustellen kannst du selbst einen oder mehrere Nistkästen in deinem Garten anbringen. Beachtest du dabei die folgenden Dinge, können diese Nistkäste das perfekte Zuhause für den Vogelnachwuchs sein.  

Vogel am Nistkasten
Vogel am Nistkasten
  • Ausreichende Höhe. Bringe den Nistkasten in einer ausreichenden Höhe an. Ein Nistkasten sollte für Meisen und Spatzen in einer Höhe von 2-3 Metern hängen und für Stare und Spechte in einer Höhe von 4-6 Metern. Falls du ihn tiefer aufhängen möchtest, sorge für einen entsprechenden Schutz am Baumstamm, sodass Katzen und Marder nicht herankommen.
  • Schwer zugänglich:  Bringe den Nistkasten an einem schwer zugänglichen Ort für Nesträuber an. Das heißt, du solltest darauf achten, dass es in der Nähe keine „Kletterhilfen“ für Mader oder Katzen gibt. Ein guter Ort wäre zum Beispiel eine unzugängliche Hauswand. Der Ort sollte außerdem ruhig sein, sodass die Vögel in Ruhe ihren Nachwuchs aufziehen können.
  • Geeigneter Nistkasten: Achte bereits beim Kauf auf einen geeigneten Nistkasten. Es gibt Nistkastenmodelle, die mit katzen- und mardersicheren Giebeln ausgestattet sind. Das Einflugloch liegt dabei entweder auf oder unter dem Giebel, sodass Beutegreifer nicht durch das Loch zum Nest langen können oder das Loch erst gar nicht erreichen.
  • Vogeltränken sollten so aufgestellt oder gehängt werden, dass die Umgebung keine Versteckmöglichkeiten für Nesträuber bietet. Vögel können so ihre Umgebung immer gut im Blick haben und bei Sichtung eines Feindes schnell flüchten.
  • Blechring: Um das Loch des Nistkastens kannst du einen Blechring anbringen, sodass es für Eichhörnchen nicht möglich ist, das Einflugloch mit den Zähnen zu vergrößern und ins innere zu gelangen.
  • Schutzkorb: Auch ein Schutzkorb aus Blech, welchen du an die Öffnung des Nistkastens anbringen kannst, verhindert, dass Eichhörnchen und Co. in das Nest greifen können. Mit dieser Vorkehrung entsteht ein „verlängerter“ Eingang, der ein Hineingreifen unmöglich macht.

Mit dem Bereitstellen von Vogelfutter in einem geeigneten Vogelfutterhaus kannst du deine Gartenvögel das ganze Jahr über unterstützen!

Vogelfutterhaus 1
Vogelfutterhaus 2
Futterspender

Ausgehzeiten für Katzen im Frühling anpassen

Hier noch ein Tipp für alle Katzenhalter, die auch ein Herz für kleine Vögel haben: Vor allem im Frühjahr solltest du vermehrt ein Auge auf deine Katze haben und eventuelle Vorkehrungen einrichten, um Vogel-Babys zu schützen. Es ist ratsam, die Katze zumindest in den frühen Morgenstunden nicht aus dem Haus zu lassen. Denn zu dieser Zeit, sind die kleinen Vogel-Babys besonders aktiv und unternehmen ihre ersten Flugversuche. Ein weiterer Trick ist, deine Katze in der Nacht rauszulassen. Eine Katze, die die ganze Nacht auf Mäusejagd war, verschläft den Tag dann einfach im Körbchen und hat keine Lust mehr auf Vogeljagd zu gehen.

Katze schleicht sich an Maus heran
Katze schleicht sich an Maus heran

Außerdem solltest du von April bis Juni deiner Katze so viel Aufmerksamkeit und Spielzeiten wie möglich schenken. So kannst du den Jagdtrieb auf Spielzeug konzentrieren. Eine viel beschäftigte Katze interessiert sich nachweislich deutlich weniger für Beutetiere in der Natur. Zeitlich begrenzte Ausgangszeiten im genannten Zeitraum helfen zusätzlich die nötige Ruhe in der Setzzeit zu garantieren. Wenn dann noch Kaninchendraht die Nester der Singvögel, die Wanderwege der Amphibien und Sonnenplätzchen der Reptilien schützt, fühlen sich auch diese Tiere im naturnahen Garten heimisch.

Nesträuber haben ökologisch sinnvolle Funktion

Es ist weder möglich noch sinnvoll, alle Nesträuber aus Gärten oder Parkanlagen fernzuhalten und zu vertreiben. Sie haben nämlich auch eine ökologische Funktion, die wir immer im Hinterkopf behalten sollten. So sorgen Rabenvögel sogar für Hygiene, indem sie Aas und Schädlinge fressen.  Marder und Katzen tragen außerdem erheblich zur Eindämmung von Mäuse- und Rattenplagen bei.

Unsere heimischen Vogelarten sind außerdem an Nesträuber wie Marder oder Katzen angepasst. Bei Sichtung reagieren sie mit entsprechendem Verhalten wie Warnrufen oder Ablenkungsmanövern. Generell hat es die Natur so eingerichtet, dass eine entsprechend hohe Nachkommenzahl garantiert ist. So legt eine Kohlmeise beispielsweise zweimal im Jahr bis zu 12 Eier – ein gewisser Verlust ist von der Natur somit einkalkuliert.

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4 Kommentare

  • Heidi Mescke

    Hallo,bin sehr traurig.Habe unter Carport erstmalig ein Rotschwänzchennest. Waren geschlüpft und wurden von Eltern gut versorgt.Heute Morgen war das Nest leer(3 )Junge.Ganze Fam.sehr traurig. Wer könnte die Jungen geholt haben? Nest wurde auf einem Brett unter Carpotdach gebaut.Bei uns gibt es Eichhörnchen.Die Jungen hatten schon Federflaum, etwa vor einer Woche geschlüpft. Waren ein paar Tage verheißt,freuten uns über Nachwuchs.

    • Alina & David

      Hallo Heidi,

      das ist wirklich sehr sehr traurig! 🙁 Ein Eichhörnchen wird es aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gewesen sein. Die gehen nur ganz selten an Vogelnester und auch nur dann, wenn sie wirklich gar keine andere Nahrung finden. Es könnte ein Rabenvogel gewesen sein, wie die Elster oder der Eichelhäher. Oder aber auch ein Waschbär oder ein Marder. Ohne „Spuren“ kann man nur sehr schwer sagen, welches Tier sich die Jungvögel geholt hat…

      Liebe Grüße
      Alina & David

  • Astrid Sternbauer

    Hallo Zusammen
    Bin gerade auf euren Blogg gstossen.
    Die Natur kann ein Arsch sein. Wir wohnen mitten im Wald, ein Paradies für Mensch und Tier. Eigentlich!!!!!!!!
    Wir haben jetzt 3 Wochen einen Zaunkönig gehütet, der direkt bei unserer Haustüre im Efeu gebrütet hat. vor 4 Tagen sind 3 Babys geschlüpft und die Mama war mit Futtersuchen sehr beschäfftigt. Heute Nacht haben die Siebenschläfer das Nest geräumt. Die wohnen auch bei uns im Haus 🙁 so ein Mist.
    Lieben Gruss
    Astrid

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