Eulenarten im Überblick – die häufigsten heimischen Arten

Eulen gehören sicherlich zu den mystischsten heimischen Vogelarten, denn sie sind nachtaktive Jäger, die wir Menschen nur sehr selten zu Gesicht bekommen.

Doch welche Eulen sind bei uns eigentlich heimisch und gibt es einen Unterschied zwischen Eule, Kauz und Uhu?

In diesem Artikel möchten wir euch die häufigsten heimischen Eulenarten einmal genauer vorstellen.

Merkmale von Eulen

Zu den Eulen zählen ungefähr 200 Arten, welche auf fast allen Kontinenten anzutreffen sind. Die meisten Arten sind nachtaktiv und haben zahlreiche Merkmale und Anpassungen, die ihnen die nächtliche Aktivität vereinfacht.

Innerhalb der Eulen unterscheidet man die Familie der Schleiereulen und die Familie der Eigentlichen Eulen.

Eulen haben eine ganz typische Gestalt: der Körper ist gedrungen und der Kopf im Vergleich zu anderen Vogelarten auffallend groß und rundlich. Außerdem ist der Schnabel von Eulen stark gekrümmt und scharfkantig. Ein weiteres typisches Merkmal aller Eulenarten sind die großen nach vorn gerichteten Augen, mit denen sie in der Nacht sehr gut sehen können. Die Augen selbst sind unbeweglich, stattdessen können die Tiere ihren Kopf bis zu 270° drehen, wodurch das Gesichtsfeld stark erweitert wird.

Im Verhältnis zum Körpergewicht haben Eulen außerdem eine große Flügelfläche. Dies ermöglicht ihnen einen geräuscharmen Flug, der ihnen bei der Jagd zugutekommt.

Wenn ihr mehr über das Jadgverhalten von Eulen erfahren möchtet, dann schaut doch mal in diesem Artikel vorbei: Warum haben Eulen so lange Beine?

Eulen auf einem Ast

Unterschied Eule, Kauz und Uhu

In der deutschen Sprache wird zwischen einer Eule und einem Kauz sowie einem Uhu unterschieden. Doch gibt es überhaupt einen Unterschied? Im englischen findet diese Unterscheidung nicht statt und alle Eulenarten werden auch als Eule bezeichnet.

Bei uns gelten als Eulen vornehmlich jene Arten, die in ihrem Erscheinungsbild schlank wirken. Kauze sind hingegen Arten, die eher gedrungen und rundlich wirken. Ein weiterer äußerlicher Unterschied zwischen Eule und Kauz sind die Federohren. Die Käuze haben keine Federohren, die Eulen und Uhus schon. Es gibt jedoch keinen Unterschied zwischen Eulen, Käuzen und Uhus im Sinne einer zoologischen Systematik.

Eulenarten im Überblick

Im Folgenden möchten wir euch unsere heimischen Eulenarten einmal genauer vorstellen.

Wenn ihr mehr über Eulen im Allgemeinen erfahren möchtet, dann haben wir hier einen interessanten Artikel veröffentlicht: 15 interessante und lustige Fakten zur Eule

Steinkauz

Steinkauz

Der Steinkauz bevorzugt als Lebensräume offenes, mit vereinzelten Baumgruppen bestandenes Gelände, Friedhöfe, Parks sowie Obstgärten, die einen alten Baumbestand aufweisen. Der Steinkauz besiedelt ganz Europa, Vorder- und Zentralasien sowie Nord- und Nordostafrika.

Er hat eine Kopf-Schwanz-Länge von bis zu 23 cm und eine Flügelspannweite zwischen 53 und 58 Zentimetern. Die Größe entspricht damit der einer Singdrossel. Die Federohren fehlen und durch die niedrige Stirn wirkt der Steinkauz flachköpfig.

Falls die vorhandene Nahrung im Winter ausreicht, bleiben Steinkäuze ganzjährig in ihren Brutrevieren. Ansonsten streifen sie während dieser Zeit umher. Sobald jedoch der Frühling Einzug hält, besetzen die Steinkäuze neue Reviere.

Das Steinkauz-Weibchen legt 4-6 Eier und platziert diese häufig in Baumhöhlen, Mauernischen und Felslöchern, manchmal aber auch in Nistkästen und Taubenschlägen. Die Brutdauer variiert zwischen 22 und 30 Tagen. Anschließend werden die Jungvögel mit Mäusen, Kleinvögeln, Lurchen und Reptilien sowie größeren Käfern und Würmern gefüttert. Dies entspricht der Ernährung von ausgewachsenen Steinkäuzen.

Schleiereule

Schleiereule

Die Schleiereule lebt am liebsten in offenen Landschaften und in menschlichen Siedlungen, wo sie sich tagsüber gern in halbdunklen Gebäuden, wie zum Beispiel Scheunen, Türmen, Burgen oder Ruinen versteckt. Diese Eulenart kann eine Kopf-Schwanz-Länge von gut 30 cm erreichen, wobei die Weibchen etwas größer sind als die Männchen. Die Schleiereule ist eine sehr helle, langbeinige Eule, die keine Federohren aufweist.

Diese Eulenart ist in fast ganz Europa zu finden. Ausnahmen sind Nordrussland und Skandinavien. Außerdem lebt sie in Vorder- und Südasien, Afrika, Amerika und Australien.

Die Eier der Schleiereule werden entweder in erhöhten Nischen oder am Boden eines Gebäudes gelegt, in dem sich die Schleiereulen gerade aufhalten. In Abhängigkeit vom vorhanden Nahrungsangebot legt sie meist 4-6 Eier. In Ausnahmefällen können es sogar bis zu elf Eier sein. Diese werden 30 Tage lang vom Weibchen bebrütet. Beide Elternteile gehen auf die Futtersuche. Die jungen Eulen werden vorwiegend mit Mäusen und Spitzmäusen gefüttert. Ältere Schleiereulen bleiben meistens ganzjährig in ihren Brutrevieren. Jüngere Eulen ziehen dagegen gelegentlich umher, um ein für sich geeignetes Revier zu finden.

Waldkauz

Waldkauz

Beim Waldkauz handelt es sich um eine mittelgroße Eulenart mit einem relativ großen Kopf und einer Flügelspannweite von circa 100 cm. Die Männchen sind geringfügig kleiner als die Weibchen. Das Federkleid des Waldkauzes ist grau oder braun und die Augen sind fast komplett schwarz. Die Rufe des Kauzes sind fast das ganze Jahr über zu hören, vor allem aber im Spätwinter und im Herbst.

Der Waldkauz lebt am liebsten in Parklandschaften und Großwaldungen, ist aber auch in Städten zu finden. Da er ein Nachtvogel ist, kann man ihn nur selten beobachten aber dafür kaum überhören. In stillen Mondnächten schallt sein Ruf kilometerweit.

Der Waldkauz brütet in morschen Bäumen, Feldscheunen und Kirchtürmen. Die Eier legt das Weibchen offen und ohne Nestunterlage in einen Winkel. Heute mangelt es den Waldkäuzen jedoch leider an hohlen Bäumen und es herrscht fast überall Wohnungsnot. Daher brüten sie nicht selten in verlassenen Krähennestern oder zwischen Baumwurzeln am Boden oder im Dachgebälk von Gebäuden.

Das Weibchen legt alle zwei Tage ein Ei, insgesamt etwa 3-5 Eier pro Gelege. Die Jungen schlüpfen nach einer Brutdauer von 28-30 Tagen. Während das Weibchen brütet, sucht das Männchen nach Nahrung und versorgt das Weibchen. Erst nach 2-3 Monaten machen sich die Jungvögel selbstständig, denn die nächtliche Jagd erfordert eine lange Lehrzeit.

Der Waldkauz ist ein mutiger Jäger und die Griffweiter seiner Krallen lässt erkennen, dass er Beutetiere bis zu Ratten– und Taubengröße überwältigen kann. Im Sommer besteht die Nahrung hauptsächlich aus Mäusen und Spitzmäusen, von denen er am Nistplatz gelegentlich einen kleinen Vorrat sammelt.

An kalten Wintertagen sitzen Waldkäuze tagsüber in der Sonne aber auch auf Kaminen, aus denen warme Luft herausströmt. Der Waldkauz ist die einzige europäische Eulenart, die in ihrem Bestand nicht bedroht ist.

Waldohreule

Waldohreule

Die Waldohreule ist eine mittelgroße Eule mit einer Flügelspannweite von etwa 90 cm und einer Körperlänge von etwa 36 cm. Sie hat auffällige Federohren und eine leuchtend orangegelbe Iris.

Die Waldohreule ist nur nachts aktiv und sitzt tagsüber mit eng angelegtem Gefieder an einem Stamm gedrückt oder im dichten Gezweig. Am liebsten lebt sie in Großwäldern und Wäldern, zwischen Wiesen, in Parkanlagen und in Städten. Bei strengem Frost wohnt sie mehr in Siedlungen, wo sie am Futterhaus kleinere Vögel jagt.

Die Hauptbrutzeit der Waldohreule ist der April aber auch noch im Mai werden frische Gelege gefunden. Ein Grund dafür kann sein, dass in diesem Monat die Krähennester frei werden, in denen diese Eulenart besonders gerne brütet. Das Weibchen sitzt, wie fast alle tarnfarbigen Vögel, sehr fest auf den Eiern. Während der Brutzeit wird ihr vom Männchen Futter gebracht. Sie legt etwa 5-6 Eier und die Brutdauer beträgt 27-28 Tage.

Die Waldohreule frisst fast ausschließlich Mäuse. Sie jagt meist aus dem Ansitz heraus und registriert die Beute teils mit den Augen und teils allein mit dem Gehör.

Raufußkauz

Raufußkauz

Der Raufußkauz ist in etwa so groß wie der Steinkauz und hat eine Flügelspannweite von ca. 54 cm. Der Kopf ist groß und das Gefieder locker. Auch der Rauhfußkauz ist ein nachtaktiver Vogel und hat einen raschen und geradlinigen Flug.

Sein bevorzugter Lebensraum sind nordische Nadelwälder. Bei uns in Mitteleuropa ist er hauptsächlich in den Mittelgebirgen und in den Alpen zu finden, aber auch in der Lüneburger Heide.

Die Balzzeit beginnt schon im Spätherbst, vor allem aber im Spätwinter und die Männchen beginnen zu dieser Jahreszeit etwa 40 Minuten nach dem Sonnenuntergang ihre Rufe. Sie brüten häufig in Schwarzspechthöhlen und nehmen auch gerne Nistkästen an. Die Brutzeit geht bis in den Mai. Es werden 4-7 Eier gelegt und die Brutdauer beträgt 58-57 Tage. Die Jungvögel bleiben dann 30-35 Tage im Nest. Allerdings klettern die Jungvögel schon aus der Bruthöhle heraus, bevor sie richtig fliegen können. Sie sitzen dann auf Ästen und machen in der späten Dämmerung die Eltern mit ihren Bettelrufen auf sich aufmerksam.

Tagsüber verbergen sich die Raufußkäuze meist im dichten Gezweig, in der Dämmerung machen sie dann auf Waldlichtungen Jagd auf Mäuse, manchmal auch auf Vögel oder Insekten.  Zu den Hauptfeinden des Raufußkauzes gehören Steinadler. Er ist ein Nesträuber und kann in die Höhle eindringen und dann das Weibchen samt Gelege töten.

Uhu

Uhu

Der Uhu ist die größte Eulenart und hat eine beachtliche Flügelspannweite von 170 cm. Auffällig sind außerdem die Ohrbüschel und die feurigen orangefarbenen Augen. Der Uhu lebt überall, wo es keine Verfolgung durch den Menschen und keine Verdrahtung der Landschaft gibt, dafür aber genügend Nahrung und Felswände mit Brutplätzen vorhanden sind. In Mitteleuropa sind solche Orte jedoch kaum mehr vorhanden. Der Uhu gehört daher zu den seltensten und am stärksten bedrohten Vogelarten.

Uhus finden sich zu Paaren zusammen und halten zäh an ihrem Brutplatz fest, welcher bei uns stets in Felswänden, aber nicht immer in Höhlen zu finden ist. Die Reviere sind sehr groß. Zur Balzzeit im Februar und ausklingend im März ruft das Männchen in der Dämmerung sein „Uhu“ bis zu 100 mal. Die Brutzeit ist im März und April. Die Brutdauer beträgt etwa 35 Tage. Die Jungen wandern schon mit 20 Tagen an der Felswand umher, lange bevor fliegen können.

Der Uhu jagt, wie die meisten anderen Eulenarten auch, in der Dämmerung, manchmal schon vor Sonnenuntergang. Er erbeutet Ratten, Igel, die er durch die Stacheln hindurch erdolcht, holt Krähen aus ihren Schlafbäumen und schlägt den Habicht ebenso wie den Auerhahn. Er kann außerdem einen ausgewachsenen Hasen durch die Luft tragen.

In Gefangenschaft können Uhus sehr alt werden. Wenn ein Uhu-Paar gut harmoniert, ziehen sie alljährlich ihre Jungen gemeinsam auf.

In diesem Artikel erfährst du, wie alt die einzelnen Eulenarten werden können: Wie alt werden Eulen?

Sperlingskauz

Sperlingskauz

Der Sperlingskauz ist in etwa so groß wie ein Star und eine sehr scheue Eulenart. Mit einer Flügelspannweite von ca. 34-39 cm ist der Sperlingskauz die kleinste heimische Eulen Art.

Auch sein Kopf ist für eine Eule relativ klein. Als Lebensräume bevorzugt er alte Nadel- und Mischwälder wobei er aber auch immer öfter in angrenzenden Gärten und auf Streuobstwiesen gesichtet wird. Dort hält er sich vornehmlich zum Jagen auf. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Nord- über Mitteleuropa bis Vorderasien und Westsibirien.

Besonders interessant ist, dass der Sperlingskauz zwischen November und Januar eine winterliche Speisekammer einrichtet. Das große Vorratslager wird häufig in Baumhöhlen angelegt und beinhaltet Nahrung für die kalten Wintermonate. Hier werden manchmal bis zu 200 Beutetiere deponiert.

Der Sperlingskauz hat hohe Ansprüche an sein Nest. Meistens werden nur Höhlen für geeignet befunden, die ein sehr enges Einflugloch aufweisen, damit die Jungen später vor Fressfeinden relativ sicher sind. Die Brut erfolgt zwischen April und Mai in einer Baumhöhle oder einem alten Spechtloch. Nach einer Brutdauer von rund 30 Tagen schlüpfen aus den 4-7 Eiern die Jungen, welche durch beide Altvögel mit erbeuteten Vögeln und Mäusen gefüttert werden.

Weil Sperlingskäuze im vergleich zu vielen anderen Eulenarten nachts deutlich schlechter sehen können, jagen sie häufig auch tagsüber. Auch vor dem Menschen hat der Sperlingskauz keine Angst und meidet ihn nicht.

Sumpfohreule

Sumpfohreule

Die Sumpfohreule ist in etwa so groß wie die Waldohreule hat aber längere Flügel und eine Flügelspannweite von etwa 1 Meter. Ihr Brustgefieder ist längsgestreift und die Federohren sind unauffällig. Sie lebt am liebsten in offenen Landschaften mit Gewässern.

In diesem Artikel erfahrt ihr, ob Eulen schwimmen können: Können Eulen schwimmen? Und was machen sie bei Regen?

Die Sumpfohreule ist eine Eule die ständig umherzieht. Sie rastet und brütet dort, wo es genügend Nahrung gibt, und verschwindet wieder sobald Nahrung knapp wird.

Das Weibchen legt im Abstand von zwei Tagen 3-5 Eier in Ausnahmefällen kann das Gelege auch aus bis zu 10 Eier bestehen. Die Brutdauer beträgt 27 Tage. Bei günstigem Nahrungsangebot kann es zu einer zweiten Brut im August oder noch später im Jahr kommen. Die Jungen krabbeln mit 14-17 Tagen aus dem Nest und verbergen sich in der Bodenvegetation. Nach etwa 4 Wochen sind sie flugfähig, aber es dauert noch einmal mindestens 4 Wochen, bis sie sich auch selbst ernähren können. So lange werden sie noch von den Eltern mit Futter versorgt.

Die Sumpfohreule sucht ihre Nahrung im Spähflug aus mittlerer Höhe mit den Augen und nicht mit dem Gehör. Sie rastet gern auf Steinen und Pfählen jedoch fast nie auf Bäumen. Besonders aktiv ist sie in der Dämmerung. Ihre Hauptbeute sind Mäuse und im Norden auch Lemminge. Bei hoher Nahrungsverfügbarkeit stapelt sie rund um das Nest einen Vorrat von toten Tieren. Neben Mäusen erbeutet sie auch Bodenvögel, die sie vor allem bei Nacht im Schlaf überrascht, sowie Ratten, Hamster und junge Enten. Die Sumpfohreule hat ein riesiges Verbreitungsgebiet zu dem fast das ganze gemäßigte und kalte Eurasien gehört.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

Schwalbenarten im Überblick

Meisenarten im Überblick – Unsere heimischen Meisen

Möwenarten im Überblick

Fuchsarten – ein Überblick

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.