Können Vögel riechen?

Ein Hund hat mehr als 220 Millionen Geruchsrezeptoren in seiner Nase, während wir Menschen nur 5 Millionen haben. Bei Vögeln ist vor allem bekannt, dass sie einen sehr guten Seh- und Hörsinn sowie einen ausgeprägten Orientierungssinn haben. So kann beispielsweise ein Adler selbst kleine und weit entfernte Beute erspähen und eine Eule hört die leisesten Bewegungen.

Doch wie sieht es mit dem Geruchssinn bei Vögeln aus? Können Vögel riechen? Eine berechtigte Frage, denn eine sichtbare Nase haben sie nicht. Bei einigen Arten sind lediglich zwei Öffnungen am oberen Schnabelansatz zu sehen.

Wir sind der Frage nachgegangen und haben recherchiert. In diesem Artikel erfahrt ihr alles über den Geruchssinn von Vögeln.

Der Geruchssinn von Vögeln

Jahrhundertelang wurde angenommen, dass Vögel nicht riechen können und sich stattdessen auf ihre Augen verlassen, um die Welt um sie herum zu verstehen und zu interpretieren. Heute haben Forscher bewiesen, dass viele Vogelarten einen Geruchssinn haben und für einige spielt das Riechen eine große Rolle in ihrem alltäglichen Verhalten.

Zusammen mit dem Geruchssinn haben die meisten Vögel 6 Sinne: Schmecken, Riechen, Sehen, Hören, Tasten und Wahrnehmung von Magnetfeldern. Diese Sinne sind für das Überleben der Vögel von großer Wichtigkeit.

Bisher wurde der Geruchssinn von Vögeln als relativ niedrig eingestuft und fand daher in der Forschung wenig Beachtung. Bei Singvögeln ging die Wissenschaft noch bis vor ein paar Jahren davon aus, dass sie gar keinen Geruchssinn haben.

Seit einiger Zeit wird dem Geruchssinn jedoch mehr Beachtung geschenkt, denn neuere Verhaltensstudien konnten zeigen, dass einige Vogelarten durchaus ihren Geruchsinn zur Orientierung, Nahrungssuche, oder auch zur Unterscheidung von Individuen einsetzen.  Auch Singvögel können laut eines Forscherteams der Universität Bielefeld riechen.

Die Frage: Können Vögel riechen? Lässt sich daher mit einem klaren Ja beantworten.

Haben Vögel Nasen?

Betrachtet man das Gesicht von Vögeln fällt auf, dass sie lediglich einen Schnabel haben aber keine Nase. Vögel haben zwar keine sichtbare Nase aber sie haben Nasenlöcher mit denen sie riechen können. Bei einigen Arten sind lediglich zwei Öffnungen am oberen Schnabelansatz zu sehen.

Wie riechen Vögel?

Vögel können sowohl durch die Nase als auch durch den Mund atmen. Im Gegensatz zu den Lungen von Säugetieren besitzen die Vögel Lungen, die laufend von Luft durchströmt werden. Die Luftsäcke gewährleisten das kontinuierliche Strömen der Luft in der Lunge. Nehmen Vögel Luft durch ihre Nasenlöcher auf, werden Gerüche auf dem Weg zu den Luftsäcken wahrscheinlich von Geruchsnerven wahrgenommen und zum Gehirn transportiert.

Können alle Vögel riechen?

Vögel können verschiedene Düfte erkennen. In Versuchen wurde festgestellt, dass das Herz eines Vogels auf die verschiedenen Duftvarianten, je nach Geruchsart, unterschiedlich schnell oder langsam reagierte und schnell oder langsam schlug.

Verschiedene Vogelarten erkennen sich am Geruch und der Duft des eigenen Nestes, kann von dem des fremden Nestes unterschieden werden.

Die Art und Weise, wie Vögel ihren Geruchssinn nutzen, ist komplex und unterscheidet sich stark zwischen den Arten. Es gibt jedoch einige Anzeichen dafür, dass viele Vögel zumindest einen gewissen Geruchssinn in ihrem täglichen Verhalten einsetzen.

Vögel sind ähnlich wie andere Tiere in der Lage, potenzielle Gefahren am Geruch zu erkennen: Sie können verschiedene Angreifer anhand ihres Geruchs identifizieren und ändern ihr Verhalten je nach Gefahrenlage. Es konnte beispielsweise beobachtet werden, dass einige Vögel ihre Nester nicht mehr betreten, wenn sie Raubtiere riechen. Gerade für Vogelarten, die ihre Nester in schlecht einsehbaren Baumlöchern anlegen, wie es beispielsweise die Blaumeise tut, ist ein guter Geruchssinn von Vorteil: Sie können so feststellen, ob Marder oder Wiesel, ihre Hauptfeinde, ins Nest gelangt sind oder sich von außen nähern.

Manche Seevögel scheinen Mikroorgansimen an der Meeresoberfläche zu erschnuppern. Albatrosse sind zum Beispiel dafür bekannt, dass sie schwimmendes Aas aus einer Entfernung von bis zu 20 Kilometer riechen können, was es ihnen ermöglicht, Nahrung auf dem weiten Ozean zu finden, ohne sie sehen zu müssen.

Ein weiteres sehr interessantes Beispiel sind Stare. Sie können anhand ihres Geruchssinns verschiedene Kräuter unterscheiden. Besonders aromatisch duftende Pflanzen werden dann in das Nest gelegt, um Weibchen anzulocken.

Und auch Störche können riechen. Sie werden vom Geruch frisch gemähten Grases angezogen, weil sie auf der kurzgeschorenen Wiese ganz leicht Frösche, Schnecken und anderes Getier finden. Auch Greifvögel wie Bussarde und Rotmilane wurden über frisch gemähten Wiesen beobachtet.

Der Geruchssinn wird von einigen Vogelarten auch zur Orientierung eingesetzt. Brieftauben zum Beispiel navigieren mithilfe von Geruchslandkarten und auch Zugvögel prägen sich ihre Routen mithilfe von Düften ein.

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