Grasmücken – eine Übersicht der verschiedenen Grasmücken-Arten

Die Grasmücken sind eine Gattung von Singvögeln, die zur Familie der Grasmückenartigen gehört. Die Gattung umfasst 26 Arten, von denen 12 in Europa vorkommen.

Grasmücken leben in Wäldern und dichtem Gebüsch und schlüpfen geschickt durch niedrige Dickichte. Einige Arten kommen gerne in Gärten.

Sie sind kleine bis mittelgroße Zweigsänger mit kräftigem Schnabel und Beinen. Ihr Gesang ist oft laut und charakteristisch, so dass man sie daran gut erkennen und unterscheiden kann. Der Schwanz ist meistens lang und gerade abgeschnitten, viele Arten haben weiße Abzeichen in den äußeren Schwanzfedern. Die Geschlechter sind meistens unterschiedlich gefärbt.

In diesem Artikel möchten wir euch die häufigsten Grasmücken-Arten einmal genauer vorstellen.

Grasmücken-Arten im Überblick

Der Name Grasmücke verweist auf die braungraue Grundfärbung der überwiegend unscheinbaren Vogelarten dieser Familie. Sie führen ein heimliches Leben in der Deckung der Gebüsche und sind den meisten viel weniger bekannt als etwa die häufigen Meisenarten, wie Blaumeise oder Kohlmeise.

Während Meisen im Frühjahr gerne unsere Nistkästen nutzen und im Winter unsere Futterspender, nisten Grasmücken als Freibrüter versteckt in dichter Vegetation, wo sie auch ihre Nahrung (Insekten, Spinnen, Früchte) finden. Ein „aufgeräumter“ Garten ohne heimische Sträucher und Stauden bietet ihnen also keinen Lebensraum.

Dorngrasmücke

Die Dorngrasmücke ist ein spatzengroßer Vogel von 13 bis 15 cm Größe. Typisch sind die rostbraun-schwarz gemusterten Oberflügel. Die Männchen haben einen grauen Kopf mit weißem Augenring, eine weiße Kehle und helle Beine. Bei Weibchen ist der Kopf eher bräunlich, der Augenring undeutlich und die Iris dunkler. Die Brust ist leicht rosa.

Die Dorngrasmücke mag offene Flächen mit Hecken und dornigen Büschen. In Städten findet man sie häufig an Brachflächen und buschreichen Bahngleisen. Von April bis September kommt diese Grasmücke bei uns in Deutschland vor.

Sie ist ein Zugvogel und leider selten geworden, da es in ihrem Überwinterungsgebiet in Afrika eine jahrelange Dürre mit wenig Futter gab. Und bei uns findet sie immer weniger Heckenlandschaften zum Brüten.

Auf dem Speiseplan der Dorngrasmücken stehen Insekten und Spinnen und im Winter viele Früchte und Beeren.

Gartengrasmücke

Die Gartengrasmücke ist ein relativ unauffälliger Vogel. Ihr braungraues Gefieder hat keine besonderen Merkmale und das Auffälligste an diesem kleinen Vogel sind wohl die dunklen Augen. Er ähnelt der Mönchsgrasmücke sinkt aber etwas schneller und eintöniger.

Die Gartengrasmücke ist etwa 13 bis 14 cm groß und damit ungefähr so groß wie ein Spatz. Ihr Körper ist robust gebaut und sie hat einen recht kurzen, kräftigen Schnabel mit grauer Basis.

Diese Grasmücke ist bei uns von Mai bis September zu Hause. Am liebsten lebt der kleine Vogel in Wäldern Feldgehölzen oder Gärten. Leider ist die Gartengrasmücke sehr selten zu beobachten, es sei denn, der Garten ist verwildert. Sie liebt es, sich in dichtem Gebüsch zu verstecken, vorzugsweise in Schwarz- oder Weißdorn.

Die Gartengrasmücke gehört zu den Zugvögeln. Auf dem Flug ins Überwinterungsgebiet ist die Route über die Sahara am gefährlichsten denn dort ist es sehr heiß und es gibt kaum Nahrung. Damit der kleine Vogel die Strecke schafft, muss er sich vorher Fettreserven anfressen. Mit Insekten und Früchten verdoppelt die Grasmücke so vor der Reise ihr Gewicht.

Mönchsgrasmücke

Auch die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) ist in etwa so groß wie ein Spatz, nämlich 13 bis 15 cm. Das auffälligste an diesem kleinen Vogel ist die schwarze Kappe bei den männlichen Tieren. Der Rest des Gefieders ist einheitlich grau. Das Weibchen trägt eine braune Kappe. Die Mönchsgrasmücke gehört mit ihrem melodischen, flötenden Gesang zu den besten Sängern.

Normalerweise gehört die Mönchsgrasmücke ebenfalls zu den Zugvögeln. Seit einigen Jahren gibt es aber auch Vögel, die den Winter nicht mehr im warmen Süden am Mittelmeer oder Nordafrika verbringen, sondern in den milden Winter nach England ziehen. Das hat den Vorteil, dass sie weniger weit fliegen müssen und dadurch im Frühling viel ausgeruhter im Brutgebiet ankommen. So können sie die besten Brutreviere schon früh besetzen.

In Deutschland kann die Mönchsgrasmücke von April bis Oktober beobachtet werden. Am liebsten hält sie sich in unterholzreichen Wäldern auf aber auch in Feldgehölzen und höheren Hecken sowie in Parks und Friedhöfen ist diese Grasmücke anzutreffen.

Klappergrasmücke

Klappergrasmücke ©Ron Knight

Die Klappergrasmücke (Sylvia curruca) ist etwa 11 bis 13 cm groß und daher die kleinste unter den Grasmücken. Gut erkennen kann man den kleinen Vogel an ihrem Gesang, der mit einem leisen Geschwätz anfängt und mit einem lauten Klapp-klapp-klapp endet.

Im Vergleich zur Dorngrasmücke ist sie kurzschwänziger, hat keinen Rostton in den Flügeln und dunkle Beine. Die dunklen, von der weißen Kehle scharf abgesetzten Wangen wirken etwas maskenhaft.

Die Klappergrasmücke lebt in offener Landschaft mit niedrigem, dornigem Gebüsch wie Brombeeren, Schwarzdorn oder Heckenrosen. Man findet sie aber auch in Parks, Gärten, auf Friedhöfen und an Bahndämmen.

Der Vogel überwintert in Ostafrika. Besonders an ihrem Zugverhalten ist, dass die Klappergrasmücke im Herbst nicht über Spanien nach Südwesten ziehen, sondern nach Südosten über Israel. Dies hat den Vorteil, dass sie nicht so viel über offenes Wasser fliegen muss.

Samtkopfgrasmücke

Samtkopfgrasmücke

Die Samtkopfgrasmücke (Sylvia melanocephala) ist wie die meisten anderen Grasmücken etwa 13 bis 14 cm groß. Das Männchen hat einen samtschwarzen Kopf mit rotem Lidring, einen dunkelgrauen Rücken und eine weißliche Kehle. Die Weibchen und Jungvögel sind, wie so oft, viel unscheinbarer. Sie haten einen grauen Scheitel, eine braune Oberseite und eine schmutzig braune Unterseite.

Der kleine Vogel lebt am liebsten in niedrigem Gebüsch und Gestrüpp, das höchstens durch einzelne Bäume aufgelockert ist. Man findet sie zum Beispiel am Rand von offenen Wäldern, Obstplantagen oder manchmal auch an Siedlungsrändern und verwilderten Gärten.

Die Samtkopfgrasmücke ist überwiegend ein Standvogel, manchmal kommen aber auch Zugbewegungen vor.

Auf dem Speiseplan stehen Insekten wie Hautflügler und Käfer und vor allem im Herbst viele Früchte.

Weißbartgrasmücke

Weißbartgrasmücke ©Kookaburra 81

Typisch für die 12 bis 13 cm große Weißbartgrasmücke (Sylvia cantillans) ist der prägnant weiße Bartstreif. Sie ist eine zierliche, kleine Grasmücke mit recht kurzem Schwanz und kurzem Schnabel, die äußeren Steuerfedern sind weiß. Männchen zeigen eine bleigraue Oberseite und eine ziegelrote Unterseite sowie den weißen Bartstreif der bei den meisten Weibchen wegen deren rosafarbener Kehle und hellen Unterseite nicht auffällt.  

Die Weißbartgrasmücke ist im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Bevorzugter Lebensraum ist die trockene Macchia und Garrigue, vor allem in Höhen bis 4 m. Man findet den Vogel aber auch in aufgelockerten Wäldern. Die kleine Grasmücke besiedelt aber auch Berghänge, die mit Dornbüschen bewachsen sind.

Die Nahrung der Weißbartgrasmücke besteht vor allem aus Insekten, daneben  auch Insektenlarven und Spinnen.

Brillengrasmücke

Brillengrasmücke ©Frank Vassen

Die Brillengrasmücke ist etwa 12 bis 13 cm groß und ähnelt einer kleinen, zierlichen Dorngrasmücke. Allerdings besitzt sie einen schlankeren Körper und einen größeren Kopf sowie kürzere Flügel. Das Männchen ist auf der Brust kräftiger braunrosafarben gefärbt. Die Flügeldecken sind eher einheitlich rostfarben, der Augen- und Zügelbereich ist schwarz. Weibchen und Jungvögel sehen den Dorngrasmücken noch ähnlicher.

Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem kleine Insekten wie Mücken, Fliegen, Käfer und Insektenlarven sowie viele Spinnen und auch Nektar. Sie suchen vor allem in Bodennähe Nahrung, dabei wirken sie ähnlich hektisch und rastlos wie viele Laubsänger.

Die Brillengrasmücke brütet in niedrigem Gebüsch an Berghängen, in Gestrüpp und krautigem Bewuchs von Halbwüsten und Salzsteppen. Die europäischen Populationen dieser Grasmücke ziehen zum Überwintern ins nördliche Afrika, die südlichen Populationen sind überwiegend Standvögel.

Provencegrasmücke

Provencegrasmücke ©Jose Ramón

Diese 13 bis 14 cm große Grasmücke hat einen langen, schlanken Schwanz, der oft gestelzt wird. In ihrem Erscheinungsbild wird die Provencegrasmücke (Sylvia undata) oft recht dunkel. Die Männchen haben eine graue Oberseite, und eine überwiegend weinrote Unterseite. Die Kehle ist weiß gepunktet. Bei Weibchen ist die Oberseite grau mit bräunlichem Anflug, die Brust ist nur schwach rötlich gefärbt. Die Jungvögel sind oberseits kräftiger braun und unterseits graubeigefarben.

Der Lebensraum der Provencegrasmücken erstreckt sich über die wärmeren Teile des südwestlichen Europas bis hinein in den Nordwesten Afrikas. In Südengland und Nordfrankreich besiedelt die Provencegrasmücke häufig Heidelandschaften mit Ginstervorkommen. Das Hauptbrutgebiet reicht von Südengland bis in den Süden Italiens.

Die meisten Provencegrasmücken sind Standvögel, allerdings erleiden die Vögel in nördlichen Arealteilen in Kältewintern oft herbe Verluste.

Sardengrasmücke

Sardengrasmücke ©Francesco Veronesi

Die Sardengrasmücke (Sylvia sarda) ist etwa 13 bis 14 cm groß. Das Männchen ist überwiegend schiefergrau gefärbt. Das Weibchen besitzt oberseits einen schwachen Braunton, Stirn und Zügelbereich sind meist heller. Die Sardengrasmücke tritt meist in Paaren oder alleine auf. Nur im Herbst und Winter bildet sie kleine Gruppen

Bevorzugter Lebensraum zur Brutzeit ist 1-2 m hohes mediterranes Gebüsch auf Sardinien, wie es sich auf ehemaligen Brandflächen entwickelt. Gerne siedelt die Sardengrasmücke sich an Berghängen mit vielen Felsen an. Sie meidet Waldgebiete kommt aber auch in weniger dichtem Gebüsch vor und toleriert einzelne Bäume.

Den Winter verbringen viele Sardengrasmücken auf dem Festland Spaniens oder Nordafrikas. Sie fressen gerne kleine Insekten, die mitunter auch im Flug erbeutet werden.

Maskengrasmücke

Maskengrasmücke ©Zeynel Cebeci

Charakteristisch für die 12 bis 13 cm große Grasmücke ist die schwarze Kehle des Männchens. Die Maskengrasmücke (Sylvia rueppelli) wird wegen ihres kantigen Kopfes und langen Halses kopflastig. Das Männchen unterscheidet sich von dem der Samtkopfgrasmücke vor allem durch den weißen Bartstreif, der die schwarze Kehle vom Schwarz des Kopfes trennt. Die Weibchen sind meist an Oberkopf und Kehle gefleckt und zeigen einen unauffälligen, bräunlichen Lidring und der Bartstreif ist weniger prägnant.

Sie leben am liebsten in trockenen Landschaften mit Dorngebüsch, unterwuchsreicher Eichenwald oder trockenes Gestrüpp in Schluchttälern. Bergland besiedelt die Maskengrasmücke bis in über 1500 mm Höhe.

Das Verbreitungsgebiet in Europa beschränkt sich auf den Süden Griechenlands, und den Westen und Südwesten, sowie einzelnen Populationen im Nordwesten der Türkei. Die Maskengrasmücke ist ein Sommervogel und überwintert in Afrika südlich der Sahara.

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