Adlerarten in Europa – Adler erkennen und bestimmen

Adler gehören zu den imposantesten Vogelarten in Deutschland bzw. Europa. Im Alltag sprechen wir häufig einfach nur von dem „Adler“. Schließlich ist der Adler in Deutschland das Wappentier. Doch eigentlich gibt es viele verschiedene Adlerarten.

In Europa leben über 10 verschiedene Adlerarten, die man auch in Deutschland sehen kann. Doch ganz so einfach ist es mit den Adlern nicht. Bei der Recherche für diesen Artikel sind wir auf einige Widersprüchlichkeiten bei der Einordnung der verschiedenen Vogelarten gestoßen.

So gibt es zum Beispiel die „Echten Ader“ und jene Adlerarten, die eigentlich gar nicht zu den Echten Adlern gehören. Und dann gibt es noch Adlerarten, die früher zu den Echten Adlern zählten, heute jedoch nicht mehr.

In diesem Artikel möchten wir euch daher „Echte Adler“ als auch „Nicht Echte Adler“ vorstellen, sodass ihr die verschiedenen Vogelarten richtig einordnen könnt.

Adler – Merkmale

Zunächst einmal ist anzumerken, dass alle Adler zur Gattung der Greifvögel gehören. Das bedeutet, sowohl die „Echten Adler“ als auch die „Adlerartigen“ sind Greifvögel. Die meisten von ihnen gehören außerdem zur Familie der Habichtartigen.

Adler und Adlerartige sind im weiteren Sinn eine nicht genau definierte Sammelbezeichnung für große und kräftige Arten von Greifvögeln. In einem engeren Sinn steht die Bezeichnung „Adler“ für die Gattung der „Echten Adler“.

Adler

Eines der Hauptmerkmale von Adlern ist ihre außerordentlich gute Sehschärfe. Sie ermöglicht es ihnen ihre Beute auch aus großer Höhe zu erspähen und zu erjagen. Außerdem haben Adler, wie alle anderen Greifvögel auch, drei Augenlider. Zwei, die das Auge von oben bzw. unten verschließen und ein seitliches, die sogenannte Nickhaut, die die Hornhaut schützt und reinigt.

Adlerarten – Ein Überblick der Echte Adler

Im Folgenden möchten wir euch die verschiedenen Adlerarten innerhalb der „Echten Adler“ genauer vorstellen. Ihr findet hier sowohl heimische Adlerarten als auch Adlerarten die an anderen Orten der Welt vorkommen.

Östlicher Kaiseradler

Der Östliche Kaiseradler ist ein naher Verwandter des spanischen Kaiseradlers. Diese Adlerart ist 78 bis 83 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 175-205 und ein Gewicht von 2500 bis 4500 Gramm. Der östliche Kaiseradler hat ein schwarzbraunes Gefieder, einen goldgelben Nacken sowie überwiegend weiße Schulterfedern.

Vom spanischen Kaiseradler unterscheidet sich die Art durch das Fehlen der weißen Flügelvorderkante.

Diese Art brütet im östlichen Mitteleuropa bis ins südliche Russland und nach Asien. In Europa brüten etwa 1300 Paare. Der Adler besiedelt Waldsteppen aber auch bewaldetes Kulturland mit Bäumen, die als Nist- und Schlafplatz dienen.

Spanischer Kaiseradler

Ursprünglich wurde der Spanische Kaiseradler als Unterart des Kaiseradlers angesehen, doch wird er heute als eigene Art behandelt. Diese Adlerart ist 72 bis 85 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 180-210 cm und ein Gewicht von 2800 bis 3500 g. Er ist ein sehr seltener Brutvogel Mittel- und Südwestspaniens.

Äußerlich sieht er fast so aus wie der Kaiseradler hat aber ober- und unterseits eine rein weiße Flügelvorderkante sowie einen größeren weißen Schulterfleck. Die Schwungfedern sind durchschnittlich dunkler, weniger gebändert und die Schwanzbasis ist heller grau und wirkt ungebändert.  

Steinadler

Steinadler zählen zu den mächtigsten Adlerarten und Greifvögel unserer Fauna und sind in Deutschland fast ausschließlich in den Alpen zuhause. Sie genießen strengen Schutz und brüten im deutschen Alpengebiet mit etwa 50 Paaren.

Der Steinadler ist 79 bis 95 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 190-230 und ein Gewicht von 2900 bis 6600 Gramm. Der Gesamteindruck eines Steinadlers ist dunkelbraun. Körper und Rücken sind braun gefärbt und zeigen je nach Alter auf den Flügeln eine grellere Fleckung. Die Beine sind bis zu den gelben Füßen hinab befiedert. Männchen und Weibchen sind nur anhand der Größe zu unterscheiden. Das Weibchen ist größer als das Männchen.

Steinadler sind in Mitteleuropa in erster Linie Brutvögel der alpinen Hochgebirge. Abseits der Alpen leben Steinadler auch im Flachland.

Steppenadler

Der Steppenadler lebt in offenen, trockenen Ebenen und unteren Hanglagen. In Europa ist er von März bis Oktober/November zu sehen. Er überwintert in Afrika.

Diese Adlerart ist groß bis sehr groß. Er ist 62 bis 74 cm lang und hat eine Flügelspannweite von 165-190 cm. Er ist Dunkel- bis mittelbraun, die Schwung- und Steuerfedern sind grob gebändert und der dunkle Flügelhinterrand ist geschlossen. Der Nacken ist oft etwas heller braun. Er sieht dem Schelladler sehr ähnlich.

Die Nahrung besteht aus Kleinsäuger, Insekten und Aas. Im Winter frisst er vor allem Termiten. Sein Nest baut er in Bäumen oder auf Erdhügeln.

Habichtsadler

Habichtsadler zählen zu den seltensten Adlerarten Europas. Sie brüten in kleinen Vorkommen von etwa 800 Paaren in Spanien und Portugal. Habichtsadler sind überwiegend Standvögel.

Diese Adlerart ist 55 bis 65 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 145-165 und ein Gewicht von 1500 bis 2200 Gramm. Sie sind mittelgroße, kräftige Adler, die breite Flügel und einen langen Schwanz haben. Die Schwanzlänge entspricht etwa der Flügelbreite.

Habichtsadler haben eine weißliche Unterseite mit feinen dunklen Strichen. Aud den Unterflügel zeichnet sich ein breites schwarzes Band auf den Mittleren und Großen Flügeldecken ab, das mit den hellgrauen Schwungfedern und den weißen Kleinen Unterflügeldecken stark kontrastiert.

Habichtsadler ernähren sich hauptsächlich von Kaninchen und etwa taubengroßen Vögeln.

Kaffernadler/Klippenadler

Der Kaffernadler ist ein seltener Adler dessen Hauptverbreitungsgebiet im südlichen Afrika liegt. Klippenadler bewohnen vor allem aride und semiaride felsige Hügel- und Gebirgslandschaften, Klippen, Schluchten und Inselberge. Sie kommen bis in Höhen von über 5000 m vor.

Er hat eine Länge von 78 bis 90 cm, eine Flügelspannweite von bis zu 210 cm und ein Gewicht von bis zu 7000 g.

Der große Adler ist wirkt fast einheitlich schwarz. Charakteristisch ist meist ein schmales reinweißes V, das sich von den Schultern zum Oberrücken hin schließt. Die Adler haben ziemlich lange Füße, die bis zu den Zehen schwarz befiedert sind; die Zehen selbst sind blassgelb, die Krallen sind schwarz.

Keilschwanzadler

Der Keilschwanzadler ist ein sehr großer Adler mit einer schlaksigen Gestalt. Diese Adlerart kommt jedoch nicht bei uns in Europa vor, sondern nur in Australien einschließlich Tasmanien sowie im Süden von Neuguinea.

Er ist 85 bis 106 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 182-232 und ein Gewicht von 2000 bis 5300 Gramm. Der Keilschwanzadler ist insgesamt fast einfarbig schwarz. Hinterkopf und Nacken sind auf schwarzem Grund kräftig bräunlich rot gestrichelt. Die großen Oberflügeldecken sind hell graubraun gerandet und bilden daher ein unregelmäßiges helles Band auf den Oberflügeln. Die Unterschwanzdecken sind deutlich zum sonst schwarzen Rumpf kontrastierend hellbraun bis rotbraun. Die Basen der Schwungfedern sind gräulich, distal sind die Schwungfedern ebenso wie die Steuerfedern schwarz.

Molukkenadler

Auch der Molukkenadler kommt nicht in Europa vor und kommt von den Molukken bis nach Neuguinea vor. Er gilt als potenziell gefährdet. Diese Adlerart ist 66 bis 86 cm lang und hat eine Flügelspannweite von 170-190.

Die Körperoberseite und die Körperunterseite sind dunkelbraun bis schwarzbraun. Das Schwanzgefieder ist auf der Unterseite grau und geht in ein grauweiß auf der basalen Hälfte über, wo es diffus dunkel quergebändert ist. Der Schnabel ist grau mit einer schwarzen Spitze. Die Wachshaut ist grau. Die Iris ist dunkelbraun bis dunkelgelb. Die Füße und Beine sind cremeweiß bis mattgelb.

Raubadler/Savannenadler

Der Raubadler wird auch Savannenadler genannt und besiedelt weite Teile Afrikas südlich der Sahara sowie den indischen Subkontinent. Als Lebensraum bevorzugt er trockene Landschaften mit lockerem Baumbestand. Diese Adlerart ist 60 bis 72 cm lang und hat eine Flügelspannweite von 159-183. Kopf, Rumpf, kleine und mittlere Ober- und Unterflügeldecken können einfarbig hell gelbbraun, rotbraun, mittelbraun oder dunkelbraun sein.

Raubadler sind überwiegend Standvögel, zumindest in Afrika lebt die Art jedoch zum Teil nomadisch und von dort sind auch saisonale Wanderungen über kurze Strecken bekannt. Die Art ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig und zeigt sich sehr anpassungsfähig, der Weltbestand gilt daher als ungefährdet.

Schwarzachseladler

Der Schwarzachseladler ist ein kleiner schwarz-weißer Adler. Er hat einen kompakten, kraftvollen Körperbau und die Andeutung eines Kamms. Die Oberseite ist schwarz und die Unterseite bis auf schwarze Flanken sehr weiß. Im Flug ist die Vorderseite der Flügelunterseite durchgehend schwarz. 

Er lebt im westlichen und zentralen Afrika.

Ehemalige „Echte Adler“

Die folgenden Adlerarten wurden früher zu den „Echten Adler“ gezählt gehören heute jedoch nicht mehr dazu.

Schreiadler

Der Schreiadler ist ein dunkel gefärbter Adler von relativ kompakter Gestalt mit brettartigen, gleichmäßig breiten Flügeln. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Die Ober- und Unterseite ist braun. Kopf, Hals, Schulter- und Flügeldecken sind heller braun bis sandfarben. Die Oberschwanzdecken sind hellbraun bis weißlich.

Diese Adlerart ist 60 bis 65 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 145-168 und ein Gewicht von 1067 bis 2160 Gramm.

In Europa erstreckt sich das Brutgebiet vom Ostseeraum bis zur Balkanhalbinsel und dem Schwarzmeergebiet sowie dem Kaukasus. Seine Nahrung ist relativ vielseitig: sie besteht insbesondere aus Kleinsäugern auch jungen Feldhasen, Jungvögeln, Fröschen, Reptilien, Käfern, Heuschrecken und selten auch Aas.

Schelladler

Der Schelladler ist ein seltener Brutvogel Osteuropas und lebt vorwiegend in feuchten Wäldern. Diese Adlerart ist 59 bis 71 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 157-179 cm und ein Gewicht von 1800 bis 2500 Gramm.

Es handelt sich um einen großen, dunklen Adler mit kompakter Gestalt. Die Schwungfedern sind auf der unteren Seite dicht und dunkel gebändert. Der Kopf, Mantel und Oberflügedecken sind etwas heller. Er hat außerdem diffus weißliche Handschwingendecken und einen leuchtend weißen Fleck unterseits an den Basen der äußeren Handschwingen.  

Auf seinem Speiseplan stehen hauptächlich Kleinsäuger und Aas.

Adlerarten die nicht zu den „Echten Adlern“ gehören

Die folgenden Vogelarten tragen zwar die Bezeichnung „Adler“ in ihrem Namen, genau genommen gehören sie aber nicht zu den „Echten Adlern“.  Sie gehören aber alle zur Ordnung der Greifvögel.

Fischadler

Der Fischadler wirkt von weitem wie eine riesige Großmöwe. Er ist ein kontrastreich gefärbter Greifvogel mit langen, schmalen Flügeln und kräftigen, stark gebogenen Krallen.

Diese Vogelart ist 55 bis 58 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 145-170 und ein Gewicht von 1120 bis 2050 Gramm. Die Oberseite ist einheitlich dunkelbraun. Die Schwanzfedern graubraun. Die Unterseite ist weiß mit fahlbraunem Kropfband.

Der Fischadler ist bei uns ein seltener Brutvogel und ein häufiger Durchzügler. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Fischen, seltener auch aus Amphibien oder anderen Vögeln.

Seeadler

Der Seeadler ist der größte in Deutschland brütende Greifvogel. Er war leider viele Jahre lang vom Aussterben bedroht kann heute aber aufgrund strenger Schutzmaßnahmen und dem Verbot des Insektenbekämpfungsmittels DDT wieder in Deutschland entspannt leben. Charakteristisch für den Seeadler sind seine breiten, brettartigen Flügel, sein weit vorgestreckter Kopf sowie sein relativ kurzer Schwanz.

Der Seeadler hat eine Länge von 77 bis 95 cm, eine Flügelspannweite von 190 bis 240 cm und ein Gewicht von 4100 bis 6900 g.

Schlangenadler

Schlangenadler sind mittelgroße Greifvögel, die überwiegend in Südeuropa vorkommen. Sie haben sich auf den fang von Reptilien wie Schlangen spezialisiert. So können sie zum Beispiel geschickt Giftschlangen fangen und töten, obwohl sie nicht gegen deren Gift immun sind. Dieser Greifvogel ist in Europa ein relativ seltener Brutvogel, seine Bestände nehmen seit ein paar Jahrzehnten ab. Schlangenadler gehören zu den kleineren Adlerarten und fallen im Flug durch das helle Körpergefieder sowie die relativ langen und breiten Flügel auf.

Der Schlangengeier hat eine Länge von 62 bis 68 cm, eine Flügelspannweite von 170 bis 190 cm und ein Gewicht von 1200 bis 2300 g.

Zwergadler

Der Zwergadler hat sein Verbreitungsgebiet überwiegend im Mittelmeerraum, kommt aber auch in Osteuropa vor. Dieser Vogel ist 42 bis 51 cm lang, hat eine Flügelspannweite von 110-135 und ein Gewicht von 635 bis 1150 Gramm. Zwergadler sind somit relativ kleine Adler.

Diese Art kommt in zwei verschiedenen Farbvariantenvor, einer helleren, die in Südeuropa häufiger ist und einer dunkleren, die dort eher seltener ist.

Zwergadler haben eine aufregende Jagdweise. Sie können sich am Himmel bis in große Höhen schrauben und dort fast ohne Flügelschläge wie ein Spielzeugdrachen a einer stelle stehen, um nur die Winde zu nutzen.

Weißkopfseeadler

Das Vorkommen dieser Adlerart erstreckt sich über Nordamerika, Alaska und Kanada. Er ist das Wappentier der USA.

Weißkopfseeadler werden bis zu einem 1000 cm lang und erreichen eine Flügelspannweite von über 2000 cm. Dabei wiegen sie etwa 4500 bis 6000 g. Die Weibchen sind oft etwas größer als die Männchen.

Das Gefieder dieser Adler ist überwiegend dunkelbraun. Kopf, Hals und Schwanz sind weiß. Der kräftige Schnabel ist gelb, genau wie die Füße und Beine. Er frisst in erster Linie Fische und Wasservögel. Hin und wieder macht er auch Jagd auf kleinere Säugetiere und im Winter ernährt er sich auch mal von Aas.

Gangesadler

Der Gangesadler ist ein gedrungener, mittelgroßer Adler der in Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch du Myanmar vorkommt. Er ist ist 60 bis 65 cm lang und hat eine Flügelspannweite von etwa 150 cm.

Er hat kurze, breite Flügel und einen eher kurzen Schwanz. Seine Farbe ist im hauptsächlich braun. Merkmale des Gangesadler sind sein breiter Kopf und sein breiter Schnabel. Beim Aufsperren des Schnabels sieht man deutlich die fleischigen Schnabelwinkel, die bis zur Mitte des Auges reichen.

Der Gangesadler ist ein Baumbrüter, der offene Lebensräume wie wenig intensivierte Landwirtschaft, Feuchtgebiete und offene Wälder sowie Waldlichtungen ganzjährig in Indien besiedelt. Er ist ein kraftvoller Greifvogel, der sich vor allem von Säugetieren ernährt, die er vom Boden innerhalb oder in der Nähe des Waldes ergreift.

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