Vogelfotografie: Expertentipps für deine besten Vogelfotos

Das Fotografieren von Vögeln ist für viele Naturliebhaber ein leidenschaftliches Hobby und auch wir sind zum Hobbyfotografen geworden und lieben es, unsere heimische Vogelwelt mit der Kamera einzufangen. Unser Ziel dabei ist es natürlich so viele Arten wie möglich zu entdecken und zu dokumentieren.

Es gibt viele gute Gründe, die Vogelfotografie zum Hobby zu machen: man ist in der Natur, kann dabei entspannen und bei Ausflügen etwas für die Gesundheit tun, man lernt die heimische Tierwelt kennen und besser verstehen oder kann mit der Vogelbeobachtung sogar etwas zum Vogelschutz beitragen.

Wer mit der Vogelfotografie aber erst begonnen hat und kein professioneller Fotograf ist, stößt womöglich gerade am Anfang an seine Grenzen. Jeder der schon einmal versucht hat, Vögel zu fotografieren, wird sich sicherlich die folgenden Fragen gestellt haben:

  • Was ist die beste Ausrüstung zum Fotografieren von Vögeln?
  • Was sind die richtigen Kameraeinstellungen?
  • Wie und wo finde ich überhaupt die unterschiedlichen Vogelarten?
  • Wie schaffe ich es, die Vögel mit der Kamera am besten einzufangen?

Auch wir haben uns diese Fragen am Anfang gestellt und möchten dir daher in diesem Artikel die wichtigsten Fragen zur Vogelfotografie beantworten. Dafür haben wir in einem Interview zwei Natur- und Vogelfotografen nach ihren persönlichen Erfahrungen befragt.

David beim Fotografieren

Experteninterview zur Vogelfotografie

Um das Fotografieren von Vögeln zu erlernen, gibt es nichts besseres, als echte Experten nach Rat zu fragen und von ihren Erfahrungen zu profitieren. Daher haben wir die beiden Fotografen Sabine von lichtgetrieben.de und Dirk von dirk-funhoff.de interviewt und sie gebeten uns ein wenig über ihr Lieblingshobby zu erzählen.

Viel Spaß beim Lesen 😊

Kurze Vorstellung: Wer bist du? Wie lange fotografierst du schon und was hat dich dazu bewegt, Vögel zu fotografieren?

Sabine: Hi, mein Name ist Sabine. In meiner Jugend fing ich an zu fotografieren, aber erst seit ein paar Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Naturfotografie. Inzwischen ist sie sogar ein Teil meiner Selbstständigkeit. Mit meinem Label Lichtgetrieben möchte ich meine Arbeit mit anderen Menschen teilen und dazu inspirieren mit offen Augen und offenem Herzen die Natur zu entdecken. Meine Motive habe ich von Anfang in der Natur gefunden. Mich faszinieren der stete Wandel der Natur, die bunte Vielfalt und die innere Ruhe, die mir die Natur schenkt, wenn ich beispielsweise Vögel beobachte. Ich liebe es die Schönheiten, die ich in der Natur entdecke und die besonderen Momente, die ich draußen erlebe, mit meiner Kamera festzuhalten.

Dirk: Mein Name ist Dirk Funhoff; ich fotografiere meistens im Urlaub. Ein Aufenthalt auf einer unbewohnten schottischen Insel in 2004 weckte die Begeisterung an Naturfotografie und Vögeln.

Welche Ausrüstung und Einstellungen verwendest du für das Fotografieren von Vögeln?

Dirk: Lange Brennweiten, am besten mit Zoom, um sich unterschiedlichen Situationen anpassen zu können, z.B. ein 200-500 mm Objektiv.

Sabine: Vögel fotografiere ich mit meiner Spiegelreflexkamera (Canon EOS 70D) inklusive Teleobjektiv (Tamron 70-300 mm). Mindestens genauso wichtig: Ruhe und Geduld. Prinzipiell kannst du Vögel mit jeder Kamera fotografieren. Wer sich intensiver mit dem Thema Vogelfotografie auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich eine Kamera mit Wechselobjektiv und ein gutes Teleobjektiv.

Wie gehst du vor, um Vögel zu fotografieren?

Sabine: Um gezielt Vögel zu fotografieren, suche ich mir Orte, die von Vögeln gerne aufgesucht werden und an denen ich die Tiere gut beobachten kann, ohne sie dadurch zu stören. Der eigene naturnahe Garten, das Futterhäuschen auf dem Balkon oder auch Parks und Seen bieten sich hier an. Bei der Wahl meines Beobachtungsplatzes achte ich u. a. auf den Hintergrund und aus welcher Richtung die Sonne scheint, aber vor allem darauf den Tieren nicht zu nahe zu kommen und sie dadurch zu stören. Dann heißt es ruhig verhalten, beobachten, Glück haben und im entscheidenden Moment auf den Auslöser drücken.

Dirk: Am liebsten fotografiere ich in der Nähe von Vogelkolonien, Papageitaucher als Schwerpunkt – dazu fahre ich (manchmal) nach Schottland, Fair Isle ist das Ziel. Die Vögel verhalten sich dort „normal“, d.h. reagieren auf Menschen in gleicher Weise wie z.B. auf Schafe als großes Etwas, was manchmal ruhig sitzt oder steht und dann ist man (Vogel) neugierig und kommt näher… ein Erlebnis, was hier in unseren Breiten nicht möglich ist.

Welche Tipps kannst du Fotografie-Anfängern geben und welche Tipps hast du speziell für das Fotografieren von Vögeln?

Dirk: Vögel sind ziemlich schnell, viel in Bewegung, da sind kurze Belichtungszeiten und ein schneller Autofokus von Vorteil. Es hilft, sich mit dem Verhalten der Vögel zu beschäftigen, z.B. an einer Futterstelle zu beobachten, welchen Platz ein Vogel nutzt, bevor er an das Futter geht. Häufig ist das der gleiche Zweig, so dass man sich darauf einstellen kann.

Sabine: Meine Tipps für Fotografie-Anfänger: Üben, üben, üben! Geh raus in die Natur, probiere dich aus und schau was dir Spaß macht. Mindestens genauso wichtig: Lies das Kamerahandbuch, mach dich mit deiner Kamera vertraut und setze dich mit dem Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO auseinander. Beides ist wichtig, damit du Bilder nach deinen eigenen Vorstellungen gestalten und umsetzen kannst. Möchtest du Vögel fotografieren, solltest du dich nicht nur mit der Fotografie, sondern auch mit Vögeln auseinandersetzen. Wissen über Vögel allgemein und einzelne Arten verhilft dir zu besseren Fotos: Wo und wann kommt die Art vor? Was musst du beachten, um die Tiere nicht zu stören? Das Wichtigste in der Naturfotografie ist und bleibt der Respekt vor der Natur. Gib Acht, beobachte und sei kein Störfaktor. Geh im Zweifelsfall lieber einen Schritt zurück und erfreue dich am Moment, an deiner Beobachtung.

Zeig uns dein persönliches Lieblingsbild

Foto von Sabine, Alpenstrandläufer im Herbst (Darß)
Foto von Dirk, Besprechung bei Papageitauchern

Vielen Dank für das Interview!

Vogelfotografie: 5 hilfreiche Tipps für die direkte Umsetzung

Im Folgenden möchten wir euch noch einmal die wichtigsten Tipps zur Vogelfotografie auf einen Blick darstellen, sodass ihr direkt mit dem Fotografieren starten könnt!

1. Die richtige Ausrüstung

Das A und O zum Vögel fotografieren ist die Ausrüstung. Damit ist sowohl die Kamera als auch das richtige Objektiv gemeint. Für den günstigen Einstieg bietet sich ein Objektiv mit 70-300mm Brennweite an (z.B. das Sigma 70-300 f4-5.6 erhältlich für Nikon und Canon). Nach oben gibt es preislich keine Grenzen. Für die professionelle Fotografie eignet sich beispielsweise dann ein Objektiv mit Festbrennweiten von 600 oder 800mm und mit hoher durchgängiger Lichtstärke. Aber auch ein Zoom-Objektiv mit 200-500mm eignet sich sehr gut, um sich auch schnell unterschiedlichen Situationen anpassen zu können.

Des Weiteren ist die Kamera an sich natürlich wichtig. Für die Vogelfotografie eignen sich vor allem die klassischen Spiegelreflexkameras, da du ohne Probleme deine Objektive schnell wechseln kannst. Beim Kauf der Spiegelreflexkamera solltest du vor allem auf das Rauschverhalten bei höheren ISO-Werten (für Werte ab ISO 800) achten. Warum das wichtig ist, folgt in Tipp Nr.2.

Fotoausrüstung

2. Die richtigen Kameraeinstellungen

Bei der Kamera gibt es einige Einstellungen, auf die du beim Fotografieren von Vögeln achten solltest:

Belichtung

Wenn du Vögel fotografierst, wirst du oft mit kurzen Belichtungszeiten arbeiten. Dies hat zwei Gründe: Zum einen bewegen sich Vögel sehr viel und schnell. Zum anderen sitzen die Vögel oftmals nicht direkt vor dir, sondern weiter entfernt, wodurch du gezwungen bist, mit Objektiven zu fotografieren, die eine große Brennweite haben (die Brennweite legt fest, wie groß der Bildausschnitt ist). Sobald du jedoch mit großen Brennweiten arbeitest, steigt auch die Gefahr zu Verwackeln. So solltest du bei einer Brennweite von 300mm mindestens eine Belichtungszeit von 1/500s wählen. Bei noch höheren Brennweiten entsprechend noch kürzere Belichtungszeiten.

Blende

Die Blende legt fest, wie viel Licht auf den Sensor deiner Kamera trifft. Umso größer die Öffnung umso mehr Licht fällt auf den Sensor. Somit versucht man hier mit größtmöglicher Öffnung zu arbeiten, um möglichst viel Licht auf den Sensor zu lassen, da dadurch kürzere Belichtungszeit bzw. niedriger ISO-Wert möglich sind und eine schöne Tiefenunschärfe zustande kommt.

ISO

Der ISO-Wert steht für die Lichtempfindlichkeit des Sensors in der Kamera. Umso höher der ISO-Wert desto lichtempfindlicher ist der Sensor, jedoch entsteht dadurch auch ein stärkeres Rauschen auf dem Bild. Falls das Bild bei der gewünschten Blende und Belichtungszeit zu dunkel ist, kann man einfach den ISO-Wert erhöhen, so dass das Bild im richtigen Licht erscheint. Nun muss man nur aufpassen, dass das Rauschen nicht zu stark wird und dadurch die Qualität des Bildes leidet. Daher ist es wichtig, dass man eine Kamera hat, bei der das ISO-Rauschen erst bei höheren Werten anfängt. Mittelklassekameras für ca. 700€ bis 1000€ fangen heutzutage oft ab ISO 1600 an zu rauschen (ein hoher ISO-Wert ist ab 1000 gegeben).

Wie Ihr merkt, dreht sich bei der Fotografie alles um das Licht. Kurze oder lange Belichtungszeit gleich wenig oder mehr Licht. Große oder kleine Blende gleich mehr oder weniger Licht. Hoher ISO-Wert oder niedriger ISO-Wert gleich mehr oder weniger Lichtempfindlichkeit. Erst die richtige Einstellung von Belichtung, Blende und ISO ergibt daher das perfekte Bild. Hierfür gilt wie bei vielem im Leben: Übung macht den Meister.

3. Finde den perfekten Ort zum Fotografieren

Für die ersten Fotos und zum Üben ist vor allem der eigene Garten oder der Balkon ein geeigneter Ort. Hast du eine Futterstation angebracht, wirst du hier sicher einige Vögel zum Fotografieren finden. Aber auch während eines Spaziergangs durch Schrebergärten, Felder oder den Wald kannst du Vögel beobachten und fotografieren.

Je öfter du zum Fotografieren in die Natur gehst, umso sicherer wirst du und umso mehr Vogelarten wirst du fotografieren können. Dann kannst du natürlich auch Ausflüge in andere Landschaften machen, um neue Vogelarten zu entdecken.

Rotkehlchen
Rotkehlchen im Gebüsch

4. Lerne das Verhalten von Vögeln kennen

Umso besser du dich mit dem Verhalten der verschiedenen Vogelarten auskennst, desto einfacher wirst du sie fotografieren können. Setze dich also damit auseinander, wo bestimmte Vogelarten leben, wann sie am aktivsten sind, wo sie ihr Nest bauen, was sie fressen oder welche Pflanzen und Bäume sie bevorzugen. Manche Vögel, wie zum Beispiel das Rotkehlchen, halten sich am liebsten in Hecken oder dichtem Gebüsch auf. Die Kohl- oder Blaumeise brütet in Baumhöhlen oder Nistkästen und den Buntspecht findest du am ehesten hoch oben in Baumkronen. Einen Eisvogel wiederum nahe an Gewässern.

5. Zeit und Geduld

In der Natur können wir die Gegebenheiten wie Licht, Wind und natürlich auch das Verhalten der Vögel nicht kontrollieren. So kommt es nicht selten vor, dass der Vogel genau in dem Moment wegfliegt, in dem du die Kamera auf ihn richtest. Manchmal dreht sich der Vogel auch so, dass du nur noch sein Hinterteil mit der Kamera einfangen kannst. Dann heißt es: noch einmal probieren und warten, bis der nächste Vogel in Sichtweite ist. Das kann manchmal auch etwas länger dauern. Hier hilft auch, den eigenen Standort zu wechseln und es an einem anderen Ort noch einmal zu versuchen.

Ist man in Zeitnot oder möchte unbedingt den EINEN Vogel fotografieren kann das zu Frust führen. Das oberste Gebot beim Fotografieren von Vögeln ist daher Zeit und Geduld.

Auch wir fotografieren mit viel Leidenschaft Vögel. Unsere Aufnahmen kannst du in unserer Fotogalerie ansehen 😊

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