Reh-Geräusche – welche Laute machen Rehe?

Rehe sind von Natur aus scheue Tiere und wir Menschen bekommen sie sehr selten zu Gesicht. Als wir neulich eine Wanderung durch den Wald gemacht haben ist uns aber doch tatsächlich ein Reh über den Weg gelaufen – oder besser gesagt gesprungen. So plötzlich wie es vor uns stand, so schnell war es dann auch wieder im Wald verschwunden.

Man könnte meinen, Rehe sind aufgrund ihres Verhaltens sehr leise Tiere, aber das stimmt ganz und gar nicht. Rehe können durchaus sehr laute Geräusche von sich geben, die viele Bedeutungen haben.

Die Laute von Rehen sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von Bellen über Schnauben, Stampfen, Schnüffeln und Keuchen bis hin zu einem lauten Fiepen. Welche Geräusche ein Reh von sich gibt ist immer situationsabhängig.

Die Geräusche des Rehs

Rehe leben in kleinen Rudeln zusammen, die aus einigen Ricken mit ihren Jungen bestehen. Die älteren Böcke sind Einzelgänger. Generell lieben Rehe sowohl kleinere als auch größere Waldungen mit möglichst viel Unterholz.

Vom Wesen her sind Rehe anmutige und zierliche, schlanke sowie schnelle Tiere, die meist scheu und sehr schreckhaft sind. Sie sind außerdem launisch und wechseln oftmals von einem Revier in ein anderes. Der Bock ist generell leicht gereizt und angriffslustig.

Anhand von unterschiedlichen Lauten und Geräuschen kommunizieren Rehe miteinander. So warnen sie beispielsweise andere Rehe vor Gefahren oder locken einen geeigneten Partner während der Brunftzeit an.

Bellen

Das Bellen eines Rehs kann durchaus von Laien mit dem Bellen eines Hundes verwechselt werden. Bei genauerem Hinhören unterscheiden sich die beiden Laute aber voneinander. Das Bellen von Rehen wird in der Fachsprache auch „schrecken“ genannt. Dieses Geräusch ist beim weiblichen Tier (Geiß/Ricke) ist etwas leiser und höher, beim männlichen Tier (Bock) länger und tiefer. Diesen Unterschied hören aber meist nur erfahrene Jäger. Das Bellen ist vermehrt im Frühjahr und Sommer zu hören. Auslöser für das Bellen können unterschiedliche Situation sein:

1. Warnung: Ein bellendes Reh signalisiert dem Störer, dass es ihn entdeckt hat. Für einen Fressfeind bedeutet dies, dass eine weitere Annäherung sinnlos ist. Außerdem warnen Rehe mit dem Bellen ihre Artgenossen vor der potenziellen Gefahr, die sie gewittert haben und teilen ihnen gleichzeitig mit, wo sie sich befinden.

2. Verteidigung des Territoriums: Böcke bellen vor allem im Frühjahr vermehrt, um ihr eigenes Revier abzugrenzen und zu verteidigen. Im Sommer beginnt dann die Brunftzeit, in der die Böcke ebenfalls vermehrt ihr Revier für das Liebesspiel abstecken und laute bellende Geräusche von sich geben.

Das Bellen bedeutet also in der Regel die Verteidigung des eigenen Reviers und soll zur Abschreckung von Feinden dienen. Dieser Laut drückt eher Erregtheit und Aggression als Angst aus. Auffällig ist, dass andere Rehe oft in die Schrecklaute mit einsteigen. Wenn also ein Reh mit dem Bellen anfängt, geht es kurz danach oft in anderen Ecken des Waldes ebenfalls mit dem Bellen los.

Schnüffeln

Wenn ein Reh merkt, dass etwas nicht stimmt, kann es sein, dass es Schnüffelgeräusche macht. Damit versuchen Rehe den Geruch bspw. eines Feindes, ausfindig zu machen. Das Schnüffeln klingt nicht viel anders als das eines Hundes oder eines Menschen nur eben viel stärker und tiefer.  

Stampfen

Neben dem Schnüffeln ist auch das Stampfen ein Geräusch, das Rehe machen, wenn sie merken, dass irgendetwas nicht stimmt. Beispielsweise wenn sich ein Feind nähert. Wenn ein Reh Gefahr vermutet aber noch nicht genau weiß, wo oder was sie ist, dann beginnt es leicht mit den Hufen zu stampfen, um so die anderen Rehe zu warnen.

Das Geräusch klingt wie ein auf den Boden aufschlagender Holzklotz. Das Stampfen versetzt die anderen Rehe in Alarmbereitschaft, damit sie die Bedrohung leichter lokalisieren können. Das Stampfen kann einer Flucht unmittelbar vorausgehen.

Schnauben

Ein schnaubendes Geräusch kommt meist von einem Bock. Beispielsweise wenn er die Geiß während des Liebesspiels treibt oder wenn er einen anderen Bock aus seinem Revier vertreibt. Das Schnauben geht dabei meist mit einem Keuchen einher. Das Schnauben klingt ähnlich wie ein menschliches Niesen.

Das Schnauben ist ein eher aggressives Geräusch, das benutzt wird, um Rivalen einzuschüchtern. Dem Schnauben folgt dabei meist ein krächzendes Keuchen. Wenn also zwei Böcke um ein Territorium streiten, wird man diese Laute gut hören können, denn damit demonstrieren sie ihre Dominanz.  Wenn ein Bock kleiner oder ängstlicher ist, kann ihn das Schnauben des dominanteren Bocks zum Weglaufen bringen.

Fiepen

Vor allem kleine Rehkitze fiepen häufig. Dieses Geräusch machen die jungen Tiere in der Regel, wenn sie nach ihrer Mutter rufen. Beispielsweise wenn sie hungrig sind.

Aber auch ausgewachsene Rehe können fiepende Laute von sich geben. Die Mutter lockt mit dem Fiepen ihr Junges zu sich. Das Fiepen dient also auch zur Ortung und Kommunikation zwischen Mutter und Kind. Zudem erkennen sich die Tiere wohl auch anhand ihrer Laute.

Des Weiteren kommt das Fiepen während der Brunftzeit zum Einsatz. Es ist ein schriller Ton, mit dem das Weibchen die Rehböcke anlockt. Zudem geben die Ricken ein Fiepsen von sich, wenn sie vom Bock im Rahmen des Liebesspiels getrieben werden.

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